Der Baufinanzierungsmarkt im zweiten Quartal 2026: Eigennutzer stützen den Markt, Kapitalanleger werden wählerischer
Frankfurt am Main, 30. Juli 2026 – Der deutsche Baufinanzierungsmarkt zeigt im zweiten Quartal 2026 ein zunehmend zweigeteiltes Bild. Während Eigennutzer den Markt trotz spürbar steigender Belastung stabil tragen, verhalten sich Kapitalanleger im volatilen Zinsumfeld deutlich zurückhaltender und selektiver. Gleichzeitig kehren mehrere zentrale Kennzahlen nach dem ungewöhnlich starken ersten Quartal wieder auf das gewohnte Niveau zurück. Das zeigt die aktuelle Auswertung der Kundendaten des Baufinanzierungsvermittlers Hüttig & Rompf, einem Unternehmen der Bilthouse-Gruppe.
Das erste Quartal war ein Ausreißer. Eigenkapitalquote und Zinsbindungen kehren auf das gewohnte Niveau zurück.
Eigennutzer bleiben die tragende Kraft der Nachfrage. Kapitalanleger engagieren sich spürbar zurückhaltender.
Die Bauzinsen pendeln weiter zwischen 3,5 und 4 Prozent. Maßgeblicher Treiber ist dabei weniger die EZB-Geldpolitik als die geopolitische Lage.
Erstes Quartal als Ausreißer: Eigenkapital und Zinsbindung normalisieren sich
Die Eigenkapitalquote von Eigennutzern war im ersten Quartal 2026 auf ein Mehrjahreshoch von rund 30,6 Prozent gestiegen. Im zweiten Quartal sank sie wieder auf 27,4 Prozent und erreicht damit nahezu das Niveau des Vorjahresquartals (27,2 Prozent). Das im Schnitt eingebrachte Eigenkapital ging um 12,9 Prozent auf 147.844 Euro zurück, während die durchschnittliche Darlehenssumme auf 390.892 Euro stieg (Q1/2026: 385.300 Euro; Q2/2025: 369.663 Euro). Die geringere Eigenkapitalquote schlägt sich auch in der monatlichen Belastung nieder: Die durchschnittliche Gesamtrate stieg um 3,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 1.996 Euro pro Monat.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Zinsbindung: Im ersten Quartal 2026 hatte Hüttig & Rompf noch ein wachsendes Interesse an kürzeren Zinsbindungen als Zeichen der
Spekulation auf sinkende Zinsen registriert. Nach den Zinsausschlägen im Frühjahr setzen Käuferinnen und Käufer nun aber wieder stärker auf Planungssicherheit: Der Anteil der klassischen zehnjährigen Zinsbindung stieg bei Eigennutzern auf 86,7 Prozent (Q1/2026: 82,6 Prozent; Q2/2025: 78,6 Prozent), bei Kapitalanlegern auf 88,7 Prozent (Q1/2026: 83,9 Prozent; Q2/2025: 77,3 Prozent).
Eigennutzer treiben die Nachfrage, Kapitalanleger halten sich zurück
Eigennutzer bleiben im zweiten Quartal die treibende Kraft der Nachfrage. Kapitalanleger zeigen sich dagegen merklich zurückhaltender: Die Zahl der bei ihnen vermittelten Finanzierungen sank gegenüber dem Vorquartal um 26,4 Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal um 23,3 Prozent, ihr Anteil am Gesamtmarkt fiel von 19,6 auf 15,7 Prozent. Auch hier dürfte das Zinsniveau eine Rolle spielen, denn höhere Zinsen schmälern die Attraktivität fremdfinanzierter Kapitalanlagen. Hüttig & Rompf entwickelt sich in diesem Umfeld in beiden Käufersegmenten weiterhin konstant gut.
Zinsentwicklung: Geopolitik bleibt der entscheidende Preistreiber
Die Bauzinsen bewegten sich im zweiten Quartal 2026 in einem volatilen Korridor von rund 3,5 bis knapp 4,0 Prozent für zehnjährige Darlehen. Nach dem sprunghaften Anstieg infolge der Eskalation im Nahost-Konflikt Ende Februar/Anfang März pendelten sie über weite Strecken des Quartals seitwärts bis leicht steigend. Auch die Leitzinsanhebung der Europäischen Zentralbank Mitte Juni – die erste nach einer langen Zinspause – blieb ohne größeren Einfluss auf die Bauzinsen, da diese sich primär an den Kapitalmarktrenditen orientieren.
„Die Bauzinsen bleiben sensibel gegenüber der geopolitischen Lage“, sagt Benjamin Papo, Geschäftsführer der Bilthouse-Gruppe. „Für das zweite Halbjahr rechnen wir mit einer hohen Volatilität bei leicht steigender Tendenz. Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das: Wer über ausreichend Eigenkapital verfügt und eine belastbare Haushaltsrechnung vorweisen kann, findet nach wie vor solide Finanzierungsmöglichkeiten. Die Luft für spontane Käufe ohne finanziellen Puffer wird jedoch dünner – das zeigt sich besonders deutlich im Rückzug der Kapitalanleger.“