Wie der Iran-Krieg die Immobilienpreise beeinflusst

Gefühlt ist der Iran-Krieg weit weg. Deutlich weiter als die Ukraine. Dennoch sind die Folgen für den deutschen Immobilienmarkt und für die Baufinanzierung enorm. Manche Auswirkungen werden zwar erst nach und nach sichtbar, zeitnahes Handeln ist aber in jedem Fall sinnvoll.
An der Tankstelle ist es am deutlichsten zu sehen. Um rund 30 Cent hat sich der Benzinpreis seit Ende Februar verteuert. Bei Diesel beträgt der Anstieg im Schnitt sogar knapp 40 Cent (+23 %) pro Liter. Grund hierfür sind natürlich der Iran-Krieg und die mit ihm verbundene Sperrung der Straße von Hormus. Noch langfristiger könnten die Energieprobleme werden, wenn weitere wichtige Förder- und Raffinerieanlagen in der Golfregion zerstört werden sollten. Ihr Wiederaufbau kann sich zum Teil über Jahre hinziehen.
Etwas weitergedacht ist der Preisauftrieb jedoch keinesfalls allein auf die nackten Sprit- und Heizkosten begrenzt. Hohe Öl- und Gaspreise an den Börsen wirken für die europäische und die deutsche Volkswirtschaft sowohl als Konjunkturbremse als auch als Preistreiber. Sie verteuern Transporte und belasten besonders die Produktion in energieintensiven Branchen. Hinzu kommt das Risiko von Lieferkettenproblemen und Lieferengpässen. Anders ausgedrückt: Der Krieg am Golf schmälert das verfügbare Einkommen privater Haushalte in Deutschland und heizt die Inflation an. Entsprechend hat die Europäische Zentralbank ihre Inflationserwartungen für 2026 gerade erst von 1,9 % (Dezember-Prognose) auf 2,6 % korrigiert.
Angesichts dieser Gemengelage ist die Hoffnung auf Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank im Jahr 2026 inzwischen der Erwartung von Zinserhöhungen gewichen. Die Renditen langlaufender Bundesanleihen, an denen sich mit gewisser Zeitverzögerung letztendlich auch die Zinsen neu abgeschlossener Immobilienkredite orientieren, kletterten im März auf bis zu 3,11 %. Das ist der höchste Stand seit fünfzehn Jahren. Dementsprechend zogen auch die Bauzinsen bereits an und rangieren nun – je nach Zinsbindung und Bonität – zwischen 3,6 % und 4,2 %. Mit fallenden Kreditzinsen, auf die einige Immobilienkaufinteressenten immer noch spekulieren, ist auf absehbare Zeit nicht zu rechnen.
Doch nicht nur die Bauzinsen dürften steigen. Die Inflation treibt auch die Produktionskosten von Baumaterialien wie Beton und Stahl und deren Transportkosten in die Höhe. Bauen wird damit gleich in zweierlei Hinsicht teurer: durch höhere Zinsen und höhere Materialkosten. Der Iran-Krieg verschärft damit eine ohnehin schon angespannte Lage und hemmt den Neubau von dringend benötigtem Wohnraum.
Aber: Mit der gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten rücken „sichere Häfen“ bei der Geldanlage wieder verstärkt in den Fokus. Neben Gold sowie Staatsanleihen bester Bonität (z. B. Eurozone, Kanada, Australien, Schweiz und mit gewissen Abstrichen auch USA) sind dies vor allem Wohnimmobilien. Davon dürften mittelfristig insbesondere Häuser und Wohnungen mit guter Energiebilanz profitieren. Kurzfristig scheint die Nachfrageseite allerdings noch etwas gehemmt zu sein, wodurch sich für Schnellentschlossene gute Kaufgelegenheiten ergeben können.