Baugenehmigungen steigen, doch die Wohnungskrise bleibt

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Der Wohnungsbau in Deutschland stockt. Im Jahr 2025 wurden rund 252.000 Neubaueinheiten fertiggestellt – rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie zuletzt 2012. Vor allem in Ballungsräumen und wirtschaftsstarken Regionen ist die Nachfrage nach Wohnraum weiterhin größer als das Angebot. Das Bündnis Wohnungsbau schätzt den Bedarf auf 400.000 Neubauten pro Jahr. Von dieser Zahl ist Deutschland aktuell aber weit entfernt.

Umso vielversprechender klingen da die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Von Januar bis März 2026 wurden deutlich mehr Neubauten genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Wohngebäuden stieg insgesamt um 14,0 Prozent. Man könnte also meinen, der Wohnungsneubau gewinne wieder an Fahrt. Eigentlich ist das doch ein klarer Anlass zur Zuversicht, oder?

Nicht ganz, denn Unternehmen im Wohnungsbau schauen trotz der guten Zahlen für das erste Quartal skeptisch auf die kommenden Monate. Das Geschäftsklima in der Wohnungsbauwirtschaft fiel im April laut dem Münchner Ifo-Institut von minus 19,3 auf minus 28,4. Für 2028 werden lediglich 215.000 neue Wohneinheiten prognostiziert. Eine Auflockerung der schlechten Stimmung ist vorerst nicht in Sicht und das hat gleich mehrere Gründe:

  1. Baugenehmigungen sind nicht gleich Aufträge und erst recht nicht gleich Fertigstellungen

    Die Baugenehmigung und die tatsächliche Fertigstellung eines Gebäudes sind immer noch zwei Paar Schuhe. Baugenehmigungen gelten zwar als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung des Wohnungsbaus, zwischen einer Genehmigung und der tatsächlichen Fertigstellung eines Gebäudes liegen jedoch viele Schritte und häufig mehrere Jahre. Für 2026 kann dementsprechend mit einer niedrigen Zahl an Fertigstellungen gerechnet werden. Grund dafür sind die schwachen Genehmigungsjahrgänge 2023 und 2024, deren Auswirkungen nun zeitverzögert auf dem Wohnungsmarkt sichtbar werden. Zudem sank laut dem Statistischen Bundesamt im März 2026 der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vormonat um 1,6 %. Das deutet darauf hin, dass viele genehmigte Projekte noch nicht in die Bauphase übergehen.

  2. Irankrieg setzt Baufirmen unter Druck

    Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland. Die Energie- und Rohstoffpreise steigen – und damit auch die Baukosten. Gleichzeitig verteuern höhere Zinsen die Finanzierung von Bauprojekten weiter. Und dann ist da noch die Sorge vor neuen Lieferengpässen bei wichtigen Baumaterialien. Die Branche befürchtet daher, dass sich geplante Bauvorhaben verzögern oder wirtschaftlich gar nicht mehr umsetzbar sind.

  3. Regulierungen bremsen den Neubau

    Die Probleme im Wohnungsbau liegen nicht allein in der aktuellen geopolitischen Lage begründet. Komplexe Regulierungen und langwierige Genehmigungs- und Planungsverfahren erschweren weiterhin die Umsetzung neuer Projekte. Entsprechend wächst der Druck auf die Politik. Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft fordern einfachere Bauvorschriften, bessere Förderbedingungen und stärkere Anreize für Investitionen in den Wohnungsbau. Als Reaktion darauf hat das Bundeskabinett im Mai 2026 eine Reform des Baugesetzbuchs beschlossen, die Bauplanungsverfahren künftig digitaler, schlanker und schneller machen soll. Die neuen Regelungen sollen jedoch erst ab Januar 2027 wirken. Auch das Gebäudeenergiegesetz wurde reformiert; ob dies den Neubau zukünftig erleichtert, bleibt abzuwarten.

Fazit

Die steigenden Baugenehmigungen zu Beginn des Jahres 2026 sind ein positives Signal, aber noch keine Trendwende im Wohnungsbau. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung liegen häufig mehrere Jahre, sodass kurzfristig nicht mit einer spürbaren Entspannung am Wohnungsmarkt zu rechnen ist. Ob die aktuellen Genehmigungszahlen den Grundstein für eine nachhaltige Erholung legen, hängt maßgeblich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, aber auch von der Ernsthaftigkeit der politischen Bemühungen ab. Solange hohe Baukosten, komplexe Rahmenbedingungen und geopolitische Risiken Investitionen erschweren und die Fertigstellungen hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleiben, liegt eine Trendwende in weiter Ferne.

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