| Trends | Britta Fitz

PropTechs gewinnen weiter an Markt­re­levanz

Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft hat bereits viele Bereiche erreicht. PropTechs mit ihren zukunftsweisenden digitalen Entwicklungen sind hier die entscheidenden Treiber der Entwicklung. Ein Trend, der sich in Zukunft noch verstärken wird, denn PropTechs werden immer relevanter – das ist zumindest eines der Ergebnisse der aktuellen Befragung „PropTech Germany Studie 2022“.

PropTech – was ist das? 
Der Begriff PropTech setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern Property und Technology. Er hat sich bereits seit einigen Jahren etabliert und steht für Unternehmen – meist Startups – im Bereich der Immobilienbranche, die mit technologischen Lösungen für digitale Entwicklungen und Disruption sorgen. Digitale Immobilien folgen damit zahlreichen anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Finanzbranche (FinTechs) oder der Gesundheitsbranche (HealthTech). Die digitalen Lösungen der PropTechs erlauben durch die Anwendung neuester Informations- und Kommunikationstechnologien das Einführen oder Optimieren von Abläufen, Prozessen oder ganzer Geschäftsmodelle.  

 

PropTechs werden immer relevanter 
Die Immobilienbranche ist nicht gerade als Vorreiter der Digitalisierung bekannt. Daher ist die Frage durchaus berechtigt, inwieweit sich PropTechs in der Branche durchsetzen und wie bedeutsam ihre Arbeit ist. Diese Entwicklung beleuchtet die jährlich erscheinende Studie „PropTech Germany“, deren dritte Ausgabe Anfang Juli 2022 veröffentlicht wurde. Von Dezember 2021 bis März 2022 wurden 229 PropTechs online zu ihrer Geschäftsentwicklung befragt. Als übergeordnetes Ergebnis lässt sich feststellen: PropTechs mit ihren Services rund um digitale Immobilien sind erwachsen geworden und haben sich am Markt etabliert. 

  • Rund 71 % der PropTechs haben im Geschäftsjahr 2021 mehr bzw. deutlich mehr Neugeschäft generiert. 
  • Über 96 % der PropTechs blicken optimistisch in die Zukunft und sehen die eigene Marktentwicklung positiv. 
  • Die Jahresumsätze der PropTechs lagen mehrheitlich bei bis zu 500.000 Euro und bis zu 2.000.000 Euro (jeweils 26,3 %) – 2021 gab die Mehrheit noch einen Jahresumsatz von unter 10.000 Euro an. 
  • Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeitenden in PropTechs liegt bei sechs bis 15 – 2021 waren es nur eine bis fünf Personen. 

 

Services für digitale Immobilie auch im Ausland 
Lösungen und Services rund um digitale Immobilien sind selbstverständlich nicht auf den deutschen Markt beschränkt, sondern ein internationales Phänomen. Entsprechend ist es naheliegend, dass PropTechs die Expansion ins Ausland anstreben, weil sie dort einen Wachstumsfaktor sehen: 

  • Durchschnittlich sind PropTechs bereits in fünf verschiedenen Ländermärkten tätig. 
  • Über 78 % planen in den nächsten ein bis zwei Jahren, in weitere Länder zu expandieren. 
  • Rund 33 % wollen in neuen Produktmärkten wachsen. 

 

PropTech-Sektor wird durch ESG angetrieben 
Die Studie zeigt, dass mit rund 78 % ESG (Environmental (Umwelt), Social (Soziales), Governance (Unternehmen) einen Wachstumstreiber für die PropTechs darstellt. Hier hat sich der Marktdruck für viele Immobilienunternehmen erhöht, was sich wiederum für PropTechs als ein Wachstumstreiber herausstellt. Auf das eigene Geschäftsmodell habe ESG eher keinen Druck ausgeübt, so die Studienteilnehmer. In den einzelnen Bereichen von ESG fokussierten sich die digitalen Lösungen der PropTechs auf die folgenden Aspekte:  

 

Im Bereich „Environmental“:  

  • 47 % Ressourcenschonung 
  • 43,7 % CO2-Neutralität 
  • 12,2 % Energieverbrauchsmanagement 

 

Im Bereich „Social“: 

  • 50,7 % Nutzerkomfort 
  • 33,2 % Gesundheit und Wohlergehen 
  • 29,7 % Mieter- und Bürgerkommunikation 

 

Im Bereich „Governance“: 

  • 60,3 % Transparenz (durch datengetriebene Digitalität der Lösungen) 
  • 32,3 % Kommunikation im Unternehmen 
  • 29,3 % Risikomanagement 

 

Erfolgsfaktoren für ein PropTech in Deutschland 
Was macht den Erfolg eines PropTechs aus? Ein gutes digitales Produkt allein reicht nicht mehr aus – diese Erkenntnis hat sich mittlerweile durchgesetzt. Vielmehr bestimmen diese fünf Faktoren hauptsächlich den Markterfolg: 

  • Strukturierter, starker Vertrieb zum Durchdringen der Entscheidungsstrukturen beim Kunden 
  • Zugang zum richtigen Ansprechpartner 
  • Klare Positionierung der Produkt-Technologieeigenschaften 
  • Netzwerk in der Immobilienbranche 
  • Bekanntheitsgrad des PropTech in der Immobilienbranche 

 

PropTech – Wachstum durch Wagniskapital 
Den Erfolg des PropTech-Sektors führen die Experten der Studie auch auf den hohen Zufluss von Wagniskapital zurück. So haben rund 80 % der befragten PropTechs bereits Wagniskapital in Anspruch genommen – allein im Jahr 2021 haben rund 41 % eine erfolgreiche Finanzierungsrunde durchlaufen. Eine leicht bis stark gestiegene Investitionsbereitschaft von Wagniskapitalgebern sehen rund 50 % der PropTechs. Insgesamt lässt sich aus den Ergebnissen der Studie klar erkennen, dass die Relevanz von PropTechs, ihre Marktdurchdringung und ihr wirtschaftlicher Erfolg im Vergleich zum Vorjahr klar gestiegen sind – eine Entwicklung, die wohl auch in den folgenden Jahren ihre Fortführung finden wird.  

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