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PropTech & Co. – die Digita­li­sierung verändert die Zukunft des Bauens

PropTechs, ConTechs und Startups – in der Immobilienbranche sprießen viele junge Unternehmen aus dem Boden. Sie alle nehmen sich den großen Herausforderungen des Markts an: Digitalisierung, veränderte Nutzererwartungen und Nachhaltigkeit. Auf die zukunftsweisenden technologischen Lösungen sind etablierte Konzerne oftmals angewiesen, denn sie können diese aufgrund starrer Strukturen und Denkweisen nicht selbst erarbeiten.

 

PropTech – was ist das? 
PropTech verbindet die beiden englischen Begriffe Property und Technology, also Immobilien und Technologie. Vereinfacht gesagt bieten PropTechs digitale Technologien an, um Immobilien effizienter zu bewirtschaften und zu verwalten. Dabei nutzen PropTechs entweder bestehende Software- und Hardware-Lösungen oder entwickeln eigene Anwendungen. Die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft wird heute maßgeblich durch PropTechs vorangetrieben.  

 

Was ist der Unterschied zwischen PropTech und ConTech? 
Auch der zusammengesetzte Begriff ConTech wird häufig verwendet, wenn es um die Digitalisierung der Immobilienbranche geht. ConTech setzt sich zusammen aus Construction und Technolgy, beschreibt also die Verknüpfung von Baugewerbe und technischen bzw. digitalen Lösungen. Mit Hilfe von ConTechs können in der Bauwirtschaft beispielsweise Abläufe bei Planung, Bau und Bewirtschaftung beschleunigt und effizienter gestaltet werden, was wiederum zu reduzierten Bau- und Betriebskosten führt. 

 

PropTechs und die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft – wo liegen die Potenziale? 
Im August 2021 nahm die Digitalisierungsstudie von EY Real Estate und dem Zentralen Immobilienausschuss (ZIA) Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft unter die Lupe. Die dafür befragten Unternehmen sahen in den folgenden Punkten die größten Potenziale für die Digitalisierung rund um Immobilien:  

  • Property Management und Energiedienstleistungen 
  • Nachhaltigkeit 
  • Datentransparenz als Voraussetzung zur Integration von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) 
  • Datenverfügbarkeit und digitale Technologien als Schlüssel für ESG-Management 

 

Interessant waren auch die Studienergebnisse mit Hinblick auf die Corona-Pandemie. Sie wurde von einem Drittel der Unternehmen als Treiber der Digitalisierung der Immobilienbranche gesehen. Nahezu dreiviertel der Befragten beschäftigten sich wegen der Pandemie eingehend mit der Digitalisierung. 

 

PropTechs verbinden Digitalisierung von Immobilien und Nachhaltigkeit. 
Nachhaltigkeit ist ein globaler Megatrend, der auch die Immobilienwirtschaft in vielen Bereichen betrifft. Digitale Lösungen von PropTechs und ConTechs können in diesem Bereich fast ein Drittel dazu beitragen, dass der Gebäudesektor seine Klimaziele bis 2030 erreicht. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Digitalverbands Bitkom vom November 2021. Die Digitalisierung von Immobilien kann hierbei besonders in folgenden Bereichen zu positiven Effekten führen: 

  • Automatisierte Steuerung von Heizung und Warmwassererzeugung 
  • Automatisierte Steuerung von Kühlung und Beleuchtung 
  • Intelligente Sektorenkopplung und Flexibilität 

 

Unter dem letzten Punkt sind alle Maßnahmen gemeint, die einen effizienten und zeitlich flexiblen Stromverbrauch ermöglichen – zum Beispiel, dass Stromüberschüsse aus erneuerbaren Quellen intelligent genutzt oder gespeichert werden. 

 

PropTechs sorgen für Innovation im Haus.
Ob Smart Home-Lösungen, Spracherkennung oder Cloud-Computing – die Spielwiese der PropTechs ist groß. Wichtig bei aller Innovation im Haus sind ein positives Nutzererlebnis und die Datensicherheit. Auch Künstliche Intelligenz und Big Data werden in Zukunft eine wachsende Rolle bei der Digitalisierung von Immobilien spielen. Die intelligente Nutzung und Auswertung riesiger Datenmengen mag zwar nicht unmittelbar zu Innovationen im Haus führen, wohl aber bei der effizienten Qualifizierung und Bewirtschaftung von Immobilien helfen. So können beispielsweise Datenanalysen bei Vorhersagen unterstützen, wie sich ein Wohnviertel entwickeln wird, ob sich ein Investment in einer Immobilie lohnt oder wie die bevorzugte Ausstattung einer Wohnung in einer bestimmten Lage aussieht. 

 

PropTechs werden den Wandel mitbestimmen. 
Wenn es um die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft geht, wird also in Zukunft kein Weg an PropTechs und ConTechs vorbeiführen. Auch weil traditionelle Immobilienunternehmen meist nicht das Know-how und die nötige Agilität mitbringen. Prozessinnovation, Nutzererwartungen und Nachhaltigkeit werden dabei die bestimmenden Themenfelder sein. Schaut man sich aus diesem Blickwinkel andere Branchen, wie zum Bespiel die Autoindustrie an, kommt man nicht umhin festzustellen: Für die Immobilien- und Baubranche gibt es noch einiges zu tun. 

 

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