Wollen die Grünen Einfa­mi­li­en­häuser verbieten?

Der Grüne Anton Hofreiter sinnierte im Spiegel über das Für und Wider von Einfamilienhäusern, die Union war erwartungsgemäß „not amused“. Doch abseits des bisher hauptsächlich medial ausgetragenen Zoffs zwischen den potentiellen Koalitionspartnern stecken für Häuslebauer auch Chancen in den Ideen des Bayern. Eine Betrachtung.

Begonnen hat der von manchen Kommentatoren als „Kampf ums Eigenheim“ hochstilisierte Streit mit dem Verbot des Baus neuer Eigenheime im Bezirk Hamburg-Nord. Die Hamburger CDU sah „linke Ideologieträume“ wahr werden, als der Leiter des dortigen Bezirksamtes, der Grüne Michael Werner-Boelz im Februar 2020 sagte, er wolle keine Einfamilienhäuser mehr genehmigen, weil der Gebäudetyp zum einen ineffizient, zum anderen zu flächenintensiv sei. Gar von dem Verbot auf Eigentum war bei den Christdemokraten die Rede, obwohl selbst Teile der Immobilienwirtschaft Verständnis für die Entscheidung des Bezirksamtsleiters hatten. Denn in Hamburg ist der Wohnraum knapp und Einfamilienhäuser sind nun einmal kein allzu effektiver Lösungsansatz den fehlenden Wohnraum in der Hansestadt. 

Demgegenüber steht jedoch der ewige Traum vom Eigenheim, der, unabhängig von allen ökologischen Kritikpunkten, vor allem in der Mittelschicht fest verankert ist. Das liegt nicht nur am Platzbedarf, sondern auch an der Rolle, die das Eigenheim für die eigene Absicherung spielt. Es vermindert die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen ebenso wie von Trends in der Mietpreisentwicklung und ist, wie viele Untersuchungen belegen, immer noch die attraktivste Anlageklasse für private Investoren. Lässt man die Ökologie also außen vor, ist das Eigenheim als Wohnform für die meisten Familien nicht zu schlagen. Doch die Ökologie außen vor zu lassen, geht das angesichts des Klimawandels noch? Es macht daher Sinn, wenn sich die Politik mit möglichen Alternativen befasst und jenseits staatlicher Verbotspolitik ökologisch vernünftige Alternativen für das Wohnen im 21. Jahrhundert in den Blick nimmt. 

Schaut man nun auf Anton Hofreiters Aussagen im Spiegel, so bemerkt man zweierlei: Erstens betrachtet er das Einfamilienhaus nicht nur aus der Sicht der Immobilie, sondern auch der ökologischen Konsequenzen, die das Eigenheim mit sich bringt. Beispielsweise, was das Pendeln angeht. Zum Zweiten scheint es ihm nicht um Verbote zu gehen, sondern um neue Ideen für die staatliche Förderung und Steuerung des Wohnens. Ist der Grüne also auf der Suche nach der goldenen Mitte? Für diejenigen, die sich den Traum vom Eigentum mit einer Baufinanzierung wahr machen wollen, wäre das ein gutes Zeichen. Denn wer baut sich schon gerne ein Haus mit Standards von vorgestern? Sollte die Politik die Frage von Wohneigentum in Zukunft ganzheitlicher betrachten, ergäben sich neue Möglichkeiten zur Förderung und damit auch zur Finanzierung – von Grünflächen über die autarke Energieerzeugung bis hin zur individuellen Mobilität. Hier kann die professionelle Baufinanzierungsberatung übrigens eine sehr wichtige Rolle spielen. 

Bis es dazu kommt, sind vor allem die Kommunen gefragt: Wenn beispielsweise Neubaugebiete auch in 2021 ohne sinnvolle ÖPNV-Angebote geplant werden, wenn nach wie vor die schnelle Internetanbindung fehlt, dürfte sich die Ökobilanz des Eigenheims nicht nachhaltig verbessern, weil die Menschen pendeln müssen. Deshalb ist eine kluge Aussteuerung der Wohnbebauung ebenso wichtig wie intelligente Förderung. Und nichts anderes hat Hofreiter in dem viel diskutierten Interview gefordert. Denn auch ihm dürfte klar sein, dass das Hamburger Verbot lange Schatten auf die Wohnträume eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung wirft. Der im Übrigen zu einem nicht geringen Anteil auch die Wählerklientel seiner Partei abbilden dürfte. Bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten erkennen, dass mit einem „Kulturkampf“ rund ums Eigenheim weder den Familien der Mittelschicht, noch dem Klima geholfen ist. Gefragt sind stattdessen neue Ideen, die dem Reizthema „Wohnraum“ die Schärfe nehmen. Und zwar von allen Seiten. 

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