Sind Ein- und Zweifa­mi­li­en­häuser auf dem Rückzug?

Das Einfamilienhaus steht aktuell im Zentrum der Aufmerksamkeit, das zeigte die Diskussion um das angebliche Verbot. Doch wie das Statistische Bundesamt ermittelte, gehen die Genehmigungen für diese Wohnform seit Jahren zurück. Ist das „Häuschen“ also auf dem Rückzug?

Quo Vadis, Eigenheim? Nicht erst seit der Diskussion um die Haltung der Grünen zum Einfamilienhaus diskutieren Immobilienbranche und Politik über Lösungen zu den Herausforderungen des modernen Wohnens. Der Markt dagegen schafft bereits Fakten, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden errechnet haben. 

Mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern 

So ist der Anteil von Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern seit 2005 stetig auf dem Rückmarsch. Entsprechend steigt der Anteil von Unterkünften in Mehrfamilienhäusern, 2015 wurden von diesen gar mehr geschaffen als Wohnungen in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Ein Trend, der zuletzt in den späten Neunzigern zu beobachten war. 2019 wurden sogar weniger als halb so viele solcher Häuser gebaut wie noch 1999. 

Und auch 2020 scheint sich dieser Trend fortzusetzen: Von Januar bis November 2020 wurden 169.000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt. Bei insgesamt 288.000 genehmigten Wohnungen ein Anteil von 59 Prozent. Nur 109.000 Wohnungen wurden in Ein- und Zweifamilienhäusern genehmigt, dies entspricht einem Anteil von 38 Prozent. Die übrigen 3 Prozent entfielen auf andere Wohnformen, z.B. Wohnheime. 

Weniger Häuser, größere Häuser? 

2019 war die Verteilung ähnlich deutlich, jedoch entstanden mit 102.400 Wohnungen noch etwa 40 Prozent aller fertiggestellten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Auffällig war dabei auch, dass diese Wohnungen fast doppelt so groß wie Ihre Pendants in Mehrfamilienhäusern waren. Während den Bewohnerinnen und Bewohnern von Ein- oder Zweifamilienhäusern im Schnitt 152 Quadratmeter zur Verfügung standen, waren es im Mehrfamilienhaus im Schnitt nur 78 Quadratmeter. 

Der individuelle Platzbedarf scheint generell zu wachsen: Im Schnitt bieten die 2019 errichteten Einfamilienhäuser 14 Prozent mehr Platz als noch 1999. Ähnliches konstatieren die Statistikerinnen und Statistiker auch für die Mehrfamilienhäuser. Doch hier fällt der Zuwachs mit im Schnitt sieben Prozent moderater aus, was sicherlich auch den allgemeinen Begrenzungen einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus geschuldet ist. 

Zwischen Land und Stadt differenzieren 

Ist das Einfamilienhaus also auf dem Rückzug? Schaut man sich nur die Baugenehmigungen an, könnte man tatsächlich zu diesem Schluss kommen. Doch zwei Drittel aller Bestandsgebäude in der Bundesrepublik, knapp 67 Prozent, waren 2019 immer noch Einfamilienhäuser. Addieren wir Zweifamilienhäuser hinzu, kommen wir sogar auf 83 Prozent. Das zeigt auch, dass das Wohnen auf dem Land in der öffentlichen Betrachtung häufig zu kurz kommt. Denn die dominierende Wohnform ist in Großstädten deutlich anzutreffen als auf dem Land. So beträgt ihr Anteil in Düsseldorf, Frankfurt am Main oder Gelsenkirchen nur knapp 40 Prozent, in Stuttgart sogar nur 35,4 Prozent.    

Alles in allem mag der Trend also einen Rückgang der Neugenehmigungen verzeichnen – aufs Ganze gesehen jedoch bleibt das Ein- bzw. Zweifamilienhaus das Maß aller Dinge auf dem deutschen Immobilienmarkt. 

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