| Allgemeines , Trends | Britta Fitz

Neues Zerti­fi­zie­rungs­system für Baustellen

Die Nachhaltigkeits-Auszeichnungen für Gebäude der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) sind schon seit langem bekannt und anerkannt. Jetzt wurde auch für Baustellen ein Zertifizierungssystem entwickelt und erstmals angewandt. Hier lesen Sie die Einzelheiten.

„Beim nachhaltigen Bauen geht es nicht nur um das Ergebnis, sondern auch um den Weg dahin“, sagt Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Deshalb ist es wichtig, die Baustellen so zu planen und abzuwickeln, dass auf diesen verantwortungsvoll mit Ressourcen umgegangen wird, sie für die dort arbeitenden Menschen möglichst sicher sind und die negativen Einflüsse auf die Umgebung minimiert werden. “Nach diesen Kriterien entwickelte die DGNB ihr neues Zertifizierungssystem für nachhaltige Baustellen, das als Planungs- und Managementtool bei der Qualitätssicherung und Risikominimierung helfen soll. Das System ist bei Hoch- und Tiefbauprojekten einsetzbar und wird prozessbegleitend während der gesamten Baustellenabwicklung angewandt. Zielgruppe des neuen Angebots sind Bauherren, Kommunen und Bauunternehmen.

 

Ablauf der Zertifizierung
Grundlage einer Auszeichnung bildet ein DGNB Vorzertifikat, das zu Projektbeginn erworben wird und die wesentlichen Vorgaben für das Baustellenmanagement festlegt. Betrachtet werden sämtliche Arbeiten, die bei der Erstellung, Instandsetzung oder Änderung von baulichen Anlagen erfolgen. Die anschließende Beurteilung der Baustelle erfolgt anhand von Nachweisen, die vor Beginn und während der Umsetzung bis zur Inbetriebnahme des Bauwerks in abgestimmten Intervallen überprüft werden. Wurden alle Nachhaltigkeitsvorgaben erfüllt, kann das Projekt mit einem DGNB Zertifikat ausgezeichnet werden – anders als bei Gebäuden gibt es dieses nur in einer Version und nicht in den Abstufungen Gold, Silber und Bronze.

 

Fünf Kriterien der Zertifizierung
1. Baustellenorganisation: Hier sind von der Vorplanung bis zur Objekt- und Bauüberwachung Ablauf- und Zeitpläne sowie ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erforderlich. Auch die lokale Umwelt samt Anwohnern soll geschont werden. Dabei geht es um Logistik-Konzepte, eine lärm-, staub- und abfallarme Baustelle sowie den Boden- und Grundwasserschutz.

2. Ressourcenschutz: In erster Linie geht es hier um Energieeffizienz, die Wiederverwendung und -verwertung von Baumaterialien sowie um einen umweltschonenden Wasserverbrauch. Auch der Einsatz erneuerbarer Energien sowie wie die Nutzung umweltgerechter Transportmittel werden positiv bewertet.

3. Gesundheit und Soziales: Die arbeitenden Personen auf der Baustelle stehen für die DGNB Zertifizierung ebenfalls im Mittelpunkt. Gesundheitsprävention, Arbeits- und Sicherheitspläne für die Bauhauptgewerke sowie eine Gefährdungsbeurteilung durch die beauftragten Unternehmen sind wichtige Indikatoren. Auch die projektinterne Kommunikation, z. B. in Bezug auf Mehrsprachigkeit, die Arbeitsplatzqualität sowie die Absicherung der Sozialleistungen werden adressiert.

4. Kommunikation mit der lokalen Öffentlichkeit: Anwohner und Gewerbe in der unmittelbaren Umgebung der Baustelle sind von den Arbeiten besonders betroffen und sollen umfassend informiert werden – sowohl vor dem Start der Baustelle als auch prozessbegleitend. Besonderen Wert gelegt wird auch auf das Erscheinungsbild der Baustelle für die Öffentlichkeit. Positiv bewertet wird, wenn eine digitale Informationsplattform bereitgestellt wird.

5. Qualität der Bauausführung: Im Fokus stehen hier die Qualitätssicherung der verwendeten Bauprodukte sowie weitere Detailthemen wie die Schimmelpilzprävention. Positiv bewertet werden auch ein Planverwaltungsmanagement, eine Schnittstellenkoordination, ein Verbesserungsmanagement, die Nutzung einer App auf der Baustelle sowie der Einsatz intelligenter Maschinensteuerung.

 

Vorteile der Zertifizierung
Neben dem positiven Image einer sicheren, sauberen und nachhaltigen Baustelle profitieren Bauherren durch eine Zertifizierung von einem reibungsloseren Bauprozess, einer zusätzlichen Qualitätssicherung der Bauausführung sowie der Risikominimierung über die umgesetzten Vorsorgekonzepte. Für Bauunternehmen und die ausführenden Gewerke ergeben sich Vorteile über ein Plus an Arbeitssicherheit, was sie attraktiver für Mitarbeiter macht. Sie können zudem von der Optimierung bestehender Prozesse im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit profitieren und sich über ein DGNB Basiszertifikat ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern sichern. Für Städte und Gemeinden wiederum liegt die Akzeptanz der Baustellen durch die lokale Öffentlichkeit im besonderen Interesse.

 

Erste Baustellen ausgezeichnet
Im Rahmen des Tags der Bauindustrie am 10. Juni 2021 wurden die ersten Auszeichnungen virtuell übergeben. Zertifikats-Träger sind der Discounter Lidl für eine Baustelle in Winnenden, das Großprojekt „Westfield Hamburg Überseequartier“ sowie die Ed. Züblin AG für die Baustelle des Wohnbauprojekts in der Saalburgallee in Frankfurt am Main.

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