| Allgemeines , Trends | Philipp Burk

Nachhal­tigkeit liegt voll im Trend

Bei der aktuellen Expertenumfrage der Berlin Hyp „Trendbarometer“ ging es diesmal rund um die Nachhaltigkeit. Mehr als 230 Immobilienexperten aus dem In- und Ausland unterstrichen die wachsende Bedeutung dieses Themas. Dazu trägt ganz aktuell auch die Verschärfung des Klimaschutzgesetzes bei. Hier erfahren Sie mehr zu den Umfrage-Ergebnissen.

Das Trendbarometer fragte insgesamt sechs Themenkomplexe ab und stellte die Meinung der Experten der allgemeinen Bevölkerung gegenüber. Diese wurde über das Umfragetool Civey erhoben. 

 

1. Nachhaltigkeit ist zunehmend essenziell für die Branche 
Die Nachhaltigkeit ist in der Immobilienbranche angekommen: Für 92 % der Befragten ist sie wichtig bis sehr wichtig. Lediglich für 8 % ist dies ein eher untergeordnetes Thema. Allerdings muss der Nachhaltigkeitsgedanke nun auch mit Leben gefüllt werden, sind doch schätzungsweise ein Drittel der globalen CO2-Emissionen Gebäuden und deren Betrieb zuzurechnen. 

 

2. Zertifizierung wird immer wichtiger 
Für 71 % der Befragten ist eine nachhaltige Zertifizierung von Immobilien wichtig bis sehr wichtig, für 28 % eher unwichtig. Die Zahl der als nachhaltig zertifizierten Gebäude ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und wird nach Einschätzung nahezu aller Marktteilnehmer weiter zunehmen. Zertifikate werden in der Immobilienbranche grundsätzlich als sinnvoll angesehen und häufig auch von Mietern verlangt. Für Ratingagenturen und andere Stakeholder sind sie mitunter die erste und manchmal auch einzige Möglichkeit, etwas über den Nachhaltigkeitsstandard eines Gebäudes zu erfahren. 

 

3. Taxonomie-Konformität als wichtiges Vermarktungsargument 
55 % haben großes bis sehr großes Interesse an einer Transformation ihrer Gebäude bis hin zur „Taxonomie-Konformität“, also der Einhaltung von Kriterien, die von der EU zur Einhaltung von Umweltzielen vorgegeben sind. Für 27 % ist das Interesse hier eher gering. Die Anwendung der Kriterien ist freiwillig, sofern Investments nicht ausdrücklich als nachhaltig ausgewiesen werden. Allerdings dürfte ein Wettbewerbsnachteil entstehen und die Investorennachfrage sinken, wenn man sich als einer der wenigen Marktteilnehmer nicht an die neuen Standards anpasst und den Nachhaltigkeitsgrad eines Objektes oder eines Portfolios angibt.

 

 

4. CO2-Steuer polarisiert 
49 % der Teilnehmer halten die CO2-Steuer auf Immobilien für etwas wirksam bis sehr wirksam, 34 % für weniger wirksam bis unwirksam. Ganz anders das Meinungsbild der Bevölkerung: 62,5 % halten die CO2-Steuer für eher unwirksam und 17,3 % sind unentschieden. Zudem sind 72,1 % grundsätzlich nicht bereit, CO2-Steuer zu zahlen. Die entscheidende Frage hierbei ist, ob man über eine Bepreisung das Nutzerverhalten verändert und den Ausstoß von CO2 verringern kann. In der Vergangenheit zeigten Preiserhöhungen auf Kraftstoff und Heizmittel wenig Auswirkung auf den Verbrauch. 

 

5. Nachhaltige Finanzierungs- und Refinanzierungsprodukte auf dem Vormarsch 
79 % gehen davon aus, dass nachhaltige Re-Finanzierungsprodukte für ihr Unternehmen immer wichtiger werden, 15 % sehen eine gleichbleibende Wichtigkeit. Ein nachhaltiges Finanzwesen sorgt dafür, dass bei Finanzentscheidungen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden. Auf diese Weise werden mehr klimaneutrale, energie- und ressourceneffiziente sowie kreislauforientierte Projekte auf den Weg gebracht. 

 

6. Deutscher Immobilienmarkt bleibt attraktiv 
Für 78 % der Umfrageteilnehmer ist der deutsche Markt für gewerbliche Immobilien attraktiver als andere europäische Märkte, für 19 % vergleichbar attraktiv. Dies ist sicherlich ein Ergebnis der bislang konsequent verfolgten Corona-Krisenpolitik der Bundesregierung, des nach wie vor bestehenden Anlagedrucks aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der vorhandenen Liquidität am Immobilienmarkt. 

 

Verschärftes Klimaschutzgesetz unterstreicht Wichtigkeit 
Das aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts nachgebesserte Klimaschutzgesetz der Bundesregierung konkretisiert und verschärft die Klimaziele: 2045 soll Deutschland nur noch so viel Treibhausgase ausstoßen wie die Natur wieder aufnehmen kann. Die Etappenziele für die Jahre davor wurden hochgesetzt. 2030 soll in Deutschland 65 statt 55 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden als 1990, 2040 sogar 88 Prozent weniger. 

 

Vermieter sollen künftig die Hälfte des CO2-Preises tragen 
Zudem sollen die Standards für Neubauten angehoben werden. Heizungen, die nur mit fossilen Brennstoffen betrieben werden können, werden nicht mehr gefördert. Die bayerische Wohnungswirtschaft reagiert mit Unverständnis auf die beschlossene CO2-Kostenaufteilung. „Dadurch fühlen sich gerade die sozial orientierten Wohnungsunternehmen ausgebremst“, sagt Verbandsdirektor Hans Maier. „Alle Wohnungsvermieter über einen Kamm zu scheren, senkt die Motivation der engagierten Unternehmen. Hier hätte die Politik besser auf Anreize für Investitionen setzen und die Förderung von energetischen Maßnahmen im Gebäudebestand drastisch ausbauen sollen.“  

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