17. April 2023 Allgemeines Benjamin Papo

Nachhaltiges Bauen im Fokus: Die Rolle der Kreislaufwirtschaft auf der Baustelle

Im Rahmen des Klimaschutzes werden auch die Bedingungen für Bauträgerinnen und Bauträger immer mehr auf Nachhaltigkeit und ressourcenschonende Materialien ausgerichtet. Eine wichtige Rolle spielt dabei das zirkuläre Bauen. Dabei geht es darum, dass sowohl die zum Bau verwendeten Materialien und Stoffe als auch der eigentliche Energiebedarf des Gebäudes so nachhaltig wie möglich gestaltet und gewählt werden. Im Zentrum steht dabei der Gedanke einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, bei der ein Gebäude so gestaltet wird, dass es über den gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst wenig CO2 produziert und alle verwendeten Materialien wieder in die Kreislaufwirtschaft eingebracht werden.

Grundsätzlich lässt sich die Idee des zirkulären Bauens so beschreiben: Bei richtiger Planung und Materialauswahl können Ressourcen wie in einem endlosen Kreislauf wiederverwendet werden, anstatt nach Ende der Nutzungsdauer im Müll zu landen. Traditionell ist der Bausektor ein sehr ressourcenintensiver Bereich und bietet daher auch besonders viel Einsparpotenzial. Die Menge der Abfälle, die beim Bau eines Hauses entstehen, ist enorm. Verdeutlichen lässt sich dies anhand einer Statistik des Umweltbundesamtes. Demnach liefert ein gewöhnlicher Altbau mit zehn Wohneinheiten etwa 1,5 Tonnen Material, das potenziell wiederverwertet werden kann. Darunter Stoffe wie Metalle, Holz oder auch Kunststoff. Bereits heute werden einige Rohstoffe recycelt, dazu gehören Materialien wie Glas und Stahl. Andere Stoffe wie Mauerziegel, Glaswolle oder Holzfaserplatten werden jedoch gar nicht oder bisher nur in sehr geringem Umfang in den Kreislauf zurückgeführt. Das Problem ist dabei oftmals weniger der Wille der Verantwortlichen. Vielmehr sind es die Qualitätskriterien, die an wiederverwertbare Baustoffe gestellt werden und die oftmals nicht oder nicht vollständig erfüllt werden können. Aktuell liegt das Wiederverwendungspotenzial aller verbauten Rohstoffe im Bauwesen laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bei etwa sieben Prozent. Hier ist also noch eine Menge Luft nach oben.

Auf der politischen Ebene ist die Zielsetzung der Kreislaufwirtschaft der Baubranche im sogenannten „Aktionsplan Circular Economy“ definiert. Dieser Aktionsplan definiert die europäischen Ziele auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Ziel dabei ist es, langfristig eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft in der Europäischen Union zu etablieren. Dabei soll künftig bei politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen in allen Bereichen immer auch der Lebenszyklus von Produkten in den Blick genommen werden. Doch ein genauer Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass die Zielsetzung hier aktuell noch nicht erreicht werden kann. Die „Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (DGNB) hat 38 Immobilien in insgesamt sechs Ländern mit Blick auf die jeweiligen Nachhaltigkeitskriterien untersucht und dabei festgestellt, dass keines der untersuchten Objekte die EU-Bedingungen der Circular Economy einhalten konnte. Dabei ist anzumerken, dass 95 Prozent der untersuchten Objekte sogar ein Nachhaltigkeits-Zertifikat besaßen und teilweise frisch saniert waren. Der Grund liegt laut DGNB in der mangelnden Verfügbarkeit von Materialien, die aus dem Kreislauf stammen. Der EU-Plan sieht vor, dass mindestens 15 Prozent der verbauten Materialien aus wiederverwerteten Materialien bestehen. Zudem müssen 20 Prozent der Baumaterialien nachwachsen, wiederverwendbar oder recycelt sein. Laut des DGNB waren eben genau solche Materialien für die Bauträger oftmals nicht oder nur sehr schwer verfügbar.

Die Weichen für eine nachhaltige Bauwirtschaft scheinen also grundsätzlich gerichtet zu sein. Derzeit hapert es oftmals an den vorhandenen Qualitätskriterien, um wiederverwertbares Material als solches zu deklarieren, oder schlicht am Mangel von recycelten Baumaterialien. Der Weg zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft ist lang. Jedoch sollte positiv festgehalten werden, dass die Aufmerksamkeit auf dem wichtigen Thema der Nachhaltigkeit gerichtet ist und dass alle beteiligten Parteien daran arbeiten in Zukunft noch nachhaltiger und ressourcenschonender zu bauen.

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