Genial digital gilt auch bei Immobilien

Die Immobilienbranche wird als träge und konservativ angesehen. Das zeigte sich lange Zeit auch bei der Digitalisierung. Doch das scheint nun vorbei zu sein. Viele erkennen mittlerweile den Mehrwert der digitalen Transformation und die zahlreichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Wir zeigen Ihnen einige davon.

Jochen Schenk ist Vorstandsvorsitzender des Immobilienfonds-Anbieters Real I.S. und einer der Herausgeber des „Innovationsbarometer der Immobilienwirtschaft“. Im vergangenen Jahr befragte Real I.S. zusammen mit dem Beratungsunternehmen CBRE Branchenexperten, wie dringend die Immobilienbranche Innovationen benötigt. Ergebnis: Der Transformationsdruck ist in allen Bereichen gleichermaßen hoch, egal ob in der Projektentwicklung, bei der Hausverwaltung oder auf Seiten der Investoren. Und er dürfte weiter steigen. Denn die EU hat sich mit dem Green Deal das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Der Immobiliensektor ist für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich. Es muss sich somit eine ganze Menge verändern, damit die EU ihr ehrgeiziges Ziel erreicht. Umso wichtiger ist es, dass die Branche den wachsenden Druck nutzt, um die Digitalisierung voranzutreiben. „Innovation kann ein Mittel sein, sich von der Konkurrenz abzuheben und den zunehmend strengeren Standards der Gesetzgeber gerecht zu werden“, sagt Schenk. 

ERP-Systeme und Software-Plattformen

Hausverwaltungen und Wohnungsunternehmen hat die Corona-Pandemie eindringlich aufgezeigt, wie wichtig digitalisierte Prozesse sind. Die Zeiten von persönlichem Kontakt im Mieterbüro oder über die Telefon-Hotline sind zwar noch nicht gänzlich vorbei. Doch ERP-Systeme automatisieren viele Prozesse, steigern dabei die Effizienz und lassen den Mitarbeitern mehr Zeit für die eigentlich wichtigen Dinge.

Auch Software-Plattformen erleben dank Corona einen Boom. Ob ins ERP-System integriert oder unabhängig davon, die Programme ermöglichen beispielsweise die Kommunikation mit Mietern, Käufern und Dienstleistern. Durch die digitale Vernetzung wird zudem die Basis für das Arbeiten der Mitarbeiter im Homeoffice geschaffen. 

Die nächste Stufe: Virtual und Augmented Reality

Nicht nur anschauen, sondern selbst erleben und gestalten – das sind die Vorzüge von Virtual Reality. Die Immobilienbesichtigung in virtueller Umgebung ermöglicht es Interessenten, die Wunsch-Immobilie vom eigenen Sofa aus zu besichtigen – so als würde man tatsächlich Raum für Raum durchschreiten. Das spart nicht nur lange Anfahrtswege, sondern bietet zudem die Möglichkeit, An- und Umbauten darzustellen, die es real noch gar nicht gibt.

Auch Handwerkern soll die virtuelle Realität auf der Baustelle helfen. So haben Bremer Wissenschaftler intelligente Assistenzsysteme entwickelt, die die Daten aus den Entwürfen von Architekten virtuell sichtbar machen. Im Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik-Bereich ist das heute schon im Zusammenspiel mit Computer Aided Design CAD möglich. Über die VR-Brille bekommt man die Daten angezeigt, die im CAD-System hinterlegt sind – deckungsgleich und maßstabsgetreu. Alle Kabelstränge, Rohre und Kanäle werden über die Brille optisch auf die Decke oder den Fußboden projiziert.

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