| Baufinanzierung , Immobilienkauf | Jörg Weisenberger

Forderung: Grund­er­werb­steuer senken!

Die Teilung der Maklerkosten beim Immobilienkauf soll nur ein erster Schritt zur finanziellen Entlastung von Käufern sein. Der Bauherren-Schutzbund findet, es wäre an der Zeit, dass auch der Staat für eine Kostenreduzierung sorgt. Ein einfaches Mittel hierfür wäre die Senkung der Grunderwerbsteuer.

Was ist die Grunderwerbsteuer überhaupt? 
Die Grunderwerbsteuer zählt zu den sogenannten Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb und muss dementsprechend noch zum eigentlichen Kaufpreis hinzugerechnet werden. Die Steuer fällt an, wenn man eine Immobilie im Inland kauft und Verkäufer sowie Käufer für die Eigentumsübertragung einen notariellen Kaufvertrag schließen. Dies erfolgt beispielsweise beim Erwerb eines Hauses, einer Eigentumswohnung oder eines Bauplatzes. Die Steuer ist einmalig vom Käufer zu bezahlen und berechnet sich aus dem Kaufpreis des notariellen Kaufvertrages – sie bezieht sich somit auf den aktuellen Wert der Immobilie.  
Bis zum 1.9.2006 galt bundesweit ein einheitlicher Steuersatz von 3,5 %. Seitdem dürfen die Bundesländer den Grunderwerb-Steuersatz jedoch individuell festlegen. Bayern und Sachsen beließen es bisher bei den ursprünglichen 3,5 %. Andere Länder hingegen erhöhten die Grunderwerbsteuer auf bis zu 6,5 %, z. B. Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Thüringen und das Saarland. Die letzte Änderung betrifft Mecklenburg-Vorpommern, wo im Juli 2019 eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer von 5,0 auf 6,0 % stattfand. Laut ifo-Institut erzielten die Bundesländer 2018 durch die Grunderwerbsteuer Einnahmen in Höhe von 14 Milliarden Euro. 

Steuer senken, Käufer entlasten 
Der Bauherren-Schutzbund begrüßt zwar die hälftige Teilung der Maklerkosten, befürchtet aber zugleich, dass Verkäufer die Preise für den Makler einfach auf den Kaufpreis aufschlagen werden. Solche Mitnahmeeffekte habe es vor allem in Ballungsräumen bereits mit der Einführung des Baukindergelds gegeben. Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbunds, fordert deshalb von der Politik eine Senkung der Grunderwerbsteuer: „Eine Steuersenkung wäre ein wichtiges Signal, um gerade in Zeiten der Corona-Krise für Stabilität zu sorgen und Verbraucher beim Immobilienkauf besser zu unterstützen.“ Die Einnahmen der Bundesländer aus dieser Steuer hätten sich seit 2010 verdreifacht. „Die Länder haben durch die stetige Erhöhung der Grunderwerbsteuer deutlich vom Immobilienboom profitiert“, so Becker.  

Bereits Ende 2019 hatten Experten des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) eine Modellrechnung für eine durchschnittliche 70-Quadratmeter-Wohnung mit der Annahme erstellt, dass die Grunderwerbsteuer bundesweit einheitlich auf 2 % gesenkt werden würde. Demnach hätten Käufer spürbar mehr Geld in der Tasche: In jedem vierten Landkreis betrug die monatliche Entlastung mindestens 30 Euro, in einem Ballungsraum wie Frankfurt am Main sogar monatlich 76 Euro. Familien würden noch stärker profitieren, da sie größere Wohnungen als die 70-Quadratmeter-Modellwohnung suchten. 

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