| Jörg Weisenberger

Deutschland bleibt Inves­to­ren­lie­bling

Die teils aufgeheizten Diskussionen zu den Entwicklungen auf dem deutschen Markt für Wohnimmobilien bleiben bisher offensichtlich ohne Folgen. Denn wie eine Studie zeigt, blieb Deutschland auch in 2020 der mit Abstand interessanteste Markt für Investoren in Europa.

Mit einem satten Anteil von 40 Prozent am gesamten Investmentmarkt für Wohnimmobilien in der EU bleibt Deutschland der Spitzenreiter für Investitionen. Mit großem Abstand folgen die Niederlande, Schweden und Dänemark mit je 15 Prozent, 12 Prozent und neun Prozent. Wie die Analysten von Savills weiter feststellten, stiegen vor allem die Investitionen im Segment der Mehrfamilienhäuser weiter an. Im Vergleich zum Vorjahr waren es sechs Prozent mehr, im Fünf-Jahres-Vergleich sogar 17 Prozent. Das Segment liegt damit an zweiter Stelle hinter dem Gewerbe, das Anleger nach wie vor favorisieren. Allerdings bleibt dies nicht ohne Folgen für die Investoren. 

Mehr Wettbewerb, sinkende Renditen 

Denn mit dem steigenden Interesse der Investoren steigen natürlich auch die Preise – und die Renditen sinken. Seit 2012 haben sich diese im Schnitt des Gesamtmarktes um mehr als ein Prozent verringert. Dabei unterscheiden sich die Nettorenditen in den europäischen Metropolen zum Teil erheblich voneinander. Während Investoren in Warschau mit bis zu 5 Prozent rechnen können, sind es in Berlin nur 2,4 Prozent. Kein Wunder – wird doch in kaum einer europäischen Großstadt mehr investiert als an der Spree. Im Schnitt allerdings pendelt sich die Nettorendite in Europa zwischen 3 und 3,5 Prozent ein. 

Mehrfamilienhäuser bleiben attraktiv 

Dass dies dazu führen könnte, dass die Mehrfamilienhäuser in der Gunst der Investoren sinken, glauben die Analysten von Savills Operational Capital Markets nicht. Denn die langfristig niedrige Bauaktivität in den Großstädten und die anhaltende Nachfrage nach Wohnraum in attraktiven Lagen lässt wenig Raum für Alternativen. Dazu kommt die anhaltende Niedrigzinsphase, in der Anlageobjekte mit langfristiger Perspektive gefragt sind und wohl auch bleiben werden. Das führt zwar zu mehr Wettbewerb und damit auch, wie die Analysten glauben, zu steigenden Preisen im Sektor für Mehrfamilienhäuser. Doch am Horizont zeichnen sich erste Ideen zu einer stärkeren Kooperation der öffentlichen Hand mit Immobilienunternehmen ab.  

Angesichts des Wohnungsmangels könnten solche Modelle zu neuen Impulsen auf dem Immobilienmarkt führen. Profitieren würden schließlich alle, von den Wohnungssuchenden über die Kommunen, hin bis zu den Investoren. Ob die Politik allerdings flächendeckend bereit ist, für Investoren entsprechende Anreize zu setzen, steht in den Sternen. Der Beliebtheit des deutschen Immobilienmarktes bei Anlegern wird dies auf absehbare Zeit jedoch kaum schaden. 

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