Der Klima­wandel beein­flusst auch die Immobi­li­enwelt

Studien zeigen, dass die Anzahl der Extremwetterereignisse sich seit den 1990er Jahren weltweit verdoppelt hat. Experten führen dies auf den Klimawandel zurück und fordern ein entschiedeneres Handeln der Politik. Doch wie sieht es eigentlich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Immobilienwelt aus?

Viele denken an die Südküste der Vereinigten Staaten, wenn sie Schlagworte wie Hurrikan oder Tornado hören. Doch auch in Deutschland gab es in den letzten Jahren einige bemerkenswerte Extremwettereignisse. Stürme und Gewitter, Hagel oder Schlagregen, der kleine Flüsse oder Bäche in reißende Ströme verwandelt, sind auch in unseren Breitengraden häufiger zu beobachten. Demgegenüber steht nicht nur in den Sommermonaten extreme Trockenheit, die nicht selten zu verheerenden Waldbränden führt. In einer neuen Studie hat Sven Bienert, Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg analysiert, welche Auswirkungen diese Gefahren des Klimawandels für die Immobilienwelt haben. 

Die Zahlen zeigen zunächst einmal, dass sich die Gefahrenquellen für Immobilien im Norden Deutschlands von denen des Südens unterscheiden. Es scheint, dass die Menschen in München oder Frankfurt eher mit Hagelschlag, Menschen in Berlin oder Hamburg dagegen häufiger mit schweren Stürmen zu tun haben. Im waldreichen Brandburg dagegen ist die Gefahr von Waldbränden groß, der Harz und das Alpenvorland kämpfen mit Starkregen. So werden Investoren die Frage des Standorts in Zukunft vielleicht nicht mehr nur von der Erreichbarkeit oder wirtschaftlichen Parametern, sondern auch von der Häufigkeit extremer Wetterphänomene abhängig machen. 

Anders sieht es jedoch bei Menschen aus, die von einem Eigenheim träumen. Hier zählen Faktoren wie die Entfernung zum Arbeitsplatz oder zur Schule der Kinder, und weniger die Großwetterlagen. Doch auch diese Gruppe sollte ein Auge auf die Wetterentwicklung der letzten Jahre werfen. Denn gerade bei einem Neubau, der häufig mit einer Baufinanzierung verbunden ist, kann es sich lohnen, Schutzmaßnahmen wie beispielsweise eine Fassadenbegrünung gegen die Hitze, Feinstaub oder Stickoxide frühzeitig einzuplanen und die Immobilien so auf Extremwetterlagen einzustellen. Auch die Mikrolage der Immobilie, also das direkte Umfeld, sollte in Bezug auf Hochwasserereignisse oder Stürme und ihre Konsequenzen genau unter die Lupe genommen werden. Beispielsweise indem man im Netz nach entsprechenden Zeitungsartikeln im Zusammenhang mit dem Ort sucht. 

Die Studie belegt aber auch, dass der Markt, wenn überhaupt, nur kurzfristig auf Extremwettereignisse reagiert. Nach Hochwasserereignissen im bayrischen Regensburg beispielsweise sanken die Preise in den betroffenen Gebieten zwar, dieser Effekt war jedoch nach kurzer Zeit wieder rückläufig. Einfach gesagt: Je länger das betreffende Ereignis zurücklag, umso weniger war eine Auswirkung messbar. Der Markt neigt also zur Verdrängung, was in Teilen sicherlich auch auf den aktuell anhaltenden Immobilienboom zurückzuführen ist. 

Doch mit diesem geht auch ein anderes Phänomen einher, dass beispielsweise Überflutungen begünstigt. Die Rede ist von der zunehmenden Bodenversiegelung, die dazu führt, dass Starkregen nicht abfließen kann und somit auch Gebiete, die nicht direkt an Ufern liegen, von Überschwemmungen bedroht sind. Hier müssen Immobilieneigentümer selbst aktiv werden und das Risiko mittels baulicher Maßnahmen auf ein Minimum begrenzen. Als Beispiel seien hier wasserdichte Fenster im Bereich des Kellers genannt oder höherliegende Hauseingänge. 

Gleiches gilt für die wachsende Zahl der Hitzetage. Forscher rechnen hier bis zum Ende des Jahrhunderts in manchen Regionen Deutschlands mit bis zu 40 heißen Tagen im Jahr. Diese Hitze setzt den für den Bau der Immobilie verwendeten Materialien zu. In Einzelfällen muss man bei starker Hitze sogar mit der Senkung von Fundamenten rechnen, so die Studie. Hier kann ein Blick auf die Durchschnittstemperaturen der letzten Jahre in der jeweiligen Region helfen, frühzeitig die richtigen Wärmeschutzmaßnahmen zu ergreifen, anstatt diese später teuer nachzurüsten. 

Fazit: Der Klimawandel mit all seinen Konsequenzen macht auch vor der Immobilienwelt nicht halt. Deshalb sollten Investoren und Häuslebauer frühzeitig daran denken, vorzusorgen und das Thema Klima in ihre Checklisten aufnehmen. 

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