| Trends | Jörg Weisenberger

Bauen mit Holz – in Zukunft immer wichtiger

Das Bauen mit Holz erfreut sich im privaten Bereich schon seit längerem einer immer weiter steigenden Beliebtheit. Auch im Gewerbebau hält der natürliche Baustoff nach und nach Einzug. Erste Pilotprojekte zeigen: Holz kann auch bei Bürogebäuden eine wichtige Rolle spielen.

Bauen mit Holz wird für die Baubranche immer wichtiger 

Bauen mit Holz liegt voll im Trend. In Deutschland werden mittlerweile rund 25 Prozent aller neuen Ein- und Zweifamilienhäuser in Holzbauweise errichtet. In Baden-Württemberg sind es sogar 39 Prozent. Im Hamburger Hafen entsteht gerade „Roots“ – das erste Hochhaus Deutschlands aus Holz. Auf 18 Etagen entstehen hier 181 Wohnungen, die 2023 bezugsfertig sein sollen. Die „Westspitze“ in Tübingen ist hingegen bereits fertig gestellt. Der Gewerbeturm zählt zu den höchsten Häusern Deutschlands in Holz-Beton-Hybrid-Bauweise

 

Holzhaus schlüsselfertig bis 100.000 Euro? 

Wer früher an Holzhäuser dachte, der sah wahrscheinlich knuffige Holzhütten im skandinavischen Stil vor sich. Doch diese Zeiten sind vorbei – und damit auch unrealistisch niedrige Preise. Denn der Baustoff Holz hat längst in die Moderne Einzug gehalten. Skyscraper und Bürotürme aus Holz entstehen gerade weltweit – die Stadt der Zukunft wird auch von Gewerbegebäuden aus Holz geprägt sein. 

 

Bauen mit Holz als Antwort auf die Klimakrise 

Laut den Plänen der Bundesregierung muss die Immobilienwirtschaft bis 2045 klimaneutral sein. Das ist kein leichtes Ziel – immerhin machen Gebäude in Deutschland rund ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen aus. Holz kann als Baustoff das Klimaproblem der Branche zwar nicht alleine lösen – darin sind sich alle einig. Aber Holz kann in Decken und Wänden den klimaschädlichen Baustoff Zement immer mehr ersetzen. Selbst in Hochhäusern könnte Holz zu einer echten Alternative werden – wären da nicht die rechtlichen Bestimmungen, die den Holz-Pionieren bislang noch so einige Steine in den Weg legen.   

 

Bauen mit Holz scheitert oft an den Bauvorschriften 

Der Bau von mehrgeschossigen Gebäuden aus Holz bereitet derzeit noch arges Kopfzerbrechen. Aufgrund der oftmals recht rigiden Bauvorschriften können solche Gebäude bislang nur mit Ausnahmegenehmigung errichtet werden. Die meisten Landesbauordnungen schreiben nämlich vor, dass Gebäude von mehr als sieben Meter Höhe keine Holztafelelemente enthalten dürfen – aus Gründen des Brandschutzes. Zahlreiche Holzbauprojekte sind daher nicht genehmigungsfähig und Holzhochhäuser bleiben vorerst die Ausnahme. Der Deutsche Holzwirtschaftsrat bemängelt daher auch schon seit längerem, dass die von der Bauministerkonferenz auf den Weg gebrachte Muster-Holzbau-Richtlinie nicht ausreichend sei. Hierin werde zwar das Bauen mit Holz neu geregelt, allerdings nur bis zu der Gebäudeklasse 4 (bis 13 Metern Höhe) und der Gebäudeklasse 5 (bis 22 Meter Höhe). In Klasse 5 sei zudem die weit verbreitete Holzrahmenbauweise nicht geregelt. Der Verband fordert daher eine Novellierung der Richtlinie, damit zukünftig beispielsweise auch Bestandsgebäude per Holzrahmenbau als Leichtbauweise aufgestockt werden können.  

 

Holzhaus hat verschiedene Definitionen 

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Immobilie, die überwiegend aus Holz besteht, als Holzhaus bezeichnet werden kann. Doch wie viel Holz tatsächlich verbaut sein muss, darüber gibt es abweichende Meinungen. Den einen genügt es, wenn das Trägerwerk aus Holz besteht. Andere bestehen darauf, dass neben dem Trägerwerk auch die Wände aus Holz sein müssen, damit das Gebäude ein Holzhaus ist. Wie dem auch sei, grob können zwei Arten von Holzhäusern unterschieden werden: 

  • Holzbohlen- oder Blockbohlenbauweise 

  • Rahmenkonstruktion oder Holztafelbau 

 

Holzhaus bauen mit besserer Klimabilanz 

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und hat daher eine hervorragende Klimabilanz. In Sachen Nachhaltigkeit schneidet ein Holzhaus wesentlich besser ab als vergleichbare andere Gebäude. Die Klimavorteile von Holz sind: 

  • Holz weist eine niedrigere Schadstoffemission als Beton, Zement und Stahl auf, da Bäume während ihres Wachstums der Atmosphäre CO2 entziehen. 

  • Ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft kann Holz nach dem Hausabriss weiterverarbeitet werden – zum Beispiel in Form von Papier oder Spanplatten.  

  • Holz dämmt wesentlich besser als Stein, Beton oder Stahl aufgrund eines sehr niedrigen Wärmedurchgangswerts. So dämmen beispielsweise 6,5 Zentimeter Nadelholz in etwa so effektiv wie 40 Zentimeter Klinker. 

Ein weiterer Vorteil eines Holzhauses ist der spürbare Nutzflächengewinn. Im Vergleich zur Massivbauweise kommt eine Holzrahmenwand mit einer deutlich geringeren Wandstärke aus. So lassen sich im Holzhaus schnell bis zu zehn Prozent Nutzfläche gewinnen, bei gleichen Außenmaßen. 

 

Baubranche – Zukunft gefährdet durch Holzknappheit? 

Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff. Doch damit Holz, sprich Bäume, gesund wachsen können, müssen die Umweltbedingungen passen. Drei trockene Sommer in Folge waren alles andere als ideal für die heimischen Wälder – Dürre und Waldsterben in ganz Deutschland waren die Folgen. Hinzu kam ein verstärkter Borkenkäferbefall. Das Ergebnis war eine akute Holzknappheit im Jahr 2021 mit einem Preisanstieg von bis zu 70 Prozent im Vergleich zu 2018. Da Holz auch international als Baustoff, Verpackungsmaterial und Textilfaser begehrt ist, bleibt der Holzmarkt sehr angespannt. Einfach mehr Bäume zu fällen kommt in Deutschland wegen des Naturschutzes nicht in Frage. Die Forstwirtschaft wird sich laut Experten in den kommenden Jahren sowieso nachhaltiger aufstellen müssen. Alles in allem also keine guten Vorzeichen für die Baubranche, die Holz gerade als alternativen Baustoff entdeckt. Andererseits auch noch lange kein Grund, den erfolgreichen Weg vorschnell zu verlassen. 

Verwandte Artikel. Das könnte Sie auch interessieren.