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Nachhal­tiges Bauen - Report der DGNB zur Materialwahl

Bauprodukte im Blick der Nachhaltigkeit – diesen Titel trägt der aktuelle Report der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB. Hiermit wollen die Nachhaltigkeits-Experten Planenden, Bauträgern und Bauherren einen Leitfaden an die Hand geben, der die Frage beleuchtet, worauf es bei der Materialwahl zum Nachhaltigen Bauen wirklich ankommt.

Nachhaltiges Bauen ist ein komplexes Thema 
„Wir bekommen immer wieder gespiegelt, wie komplex die Auswahl der Baumaterialien bei nachhaltigen Gebäuden ist“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Planende wissen oft nicht, wo sie die nötigen Informationen herbekommen oder welche Fragen überhaupt zu stellen sind. Hier setzt unser neuer Report an. Er soll Planenden mehr Sicherheit bei der Produktwahl geben und helfen, diese systematisch aus dem Blick eines ganzheitlich nachhaltigen Gebäudes auszuwählen.“ Eine Empfehlung für einen bestimmten Baustoff oder eine spezielle Konstruktionsweise werden Leser genauso wenig finden wie die Bewertung einzelner Bauprodukte. Johannes Kreißig, ebenfalls Geschäftsführender Vorstand der DGNB, erläutert hierzu: „Uns war es wichtig, keine Pauschalantworten zu liefern, sondern den Blick auf das zu lenken, was für die Zielsetzung eines nachhaltigen Gebäudes wirklich wirkt.“ 

 

Ökologisch bauen – fünf Prinzipien für die nachhaltige Materialwahl 
Wer nachhaltiges Bauen als Ziel hat, muss bei der Materialwahl einiges beachten: Klimaschutz, Ressourcenschonung, Schutz der Gesundheit und der Umwelt sowie sozial- und umweltverträgliche Standards bei Produzenten und Lieferketten. Diese vier großen Themen behandelt der Report einzeln und recht ausführlich. Ganz schön viel – kein Wunder, dass ökologisches Bauen schnell überfordernd wirken kann. Deshalb gibt der DGNB-Report Planern und Bauträgern auch ein einfacheres Modell an die Hand: die fünf Prinzipien für die nachhaltige Materialwahl. 

 

  1. Das richtige Maß finden: Eine Bauweise, die auf bestimmte Bauteile komplett verzichtet oder mit weniger gebauter Fläche den gleichen Nutzen bringt, spart mehr CO2 ein als ein klimaschonend hergestelltes Produkt. 
  2. Den Standort einbeziehen: Ziegel aus dem Nachbarort könnten die ganzheitlich bessere Variante sein als Holz aus fernen Ländern. 
  3. Im Gebäudekontext denken: Eine Farbe kann im Außenbereich als unproblematisch bewertet werden, aber im Innenbereich gesundheitsgefährdend wirken. 
  4. In Hierarchien planen: Auch ein recyclingfähiges Produkt landet oft am Ende auf der Deponie, wenn es nicht trennbar verbaut ist. 
  5. Labels richtig einordnen: Wenn ein Bauprodukt für seine klimafreundliche Herstellung zertifiziert wurde, sagt das nichts über das Wiederverwendungspotenzial oder den Schadstoffgehalt aus. 

Die ganzheitliche Betrachtungsweise von Baustoffen wird zwangsläufig zu Zielkonflikten führen – ein einfaches Einteilen in „gute“ und „böse“ Materialien wird meistens nicht gelingen. Wer jedoch diese fünf Prinzipien im Hinterkopf behält, wird beim ökologischen Bauen bereits einiges richtig machen. 

 

Nachhaltiges Bauen – Infos in kompakter Form 
Der 30-seitige DGNB-Report gibt allen Interessierten eine kompakte, übersichtliche und gut verständliche Übersicht zu den Themen nachhaltiges Bauen und nachhaltige Baumaterialien. „Wir haben hier keinen 200-seitigen Leitfaden mit Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein nachhaltiges Gebäude entwickelt. Dafür haben wir ja bereits das DGNB-Zertifizierungssystem“, sagt Johannes Kreißig. „Vielmehr wollen wir in kompakter Form Orientierung für die Materialwahl geben und Lust auf die konkrete Umsetzung machen.“  

 

Nachhaltige Baumaterialien kurz vorgestellt 
Stahlbeton und Mauerwerk – das sind in Deutschland nach wie vor die beiden vorherrschenden Materialien beim Bau mehrgeschossiger Gebäude. Die Herstellung dieser Rohstoffe verursacht jedoch zu viel CO2. Nicht ohne Grund ist der Gebäudesektor einer der größten Erzeuger von klimaschädlichen Emissionen, verbraucht viele Material- und Energieressourcen und hinterlässt gleichzeitig große Mengen an Abfall. Bereits seit einiger Zeit erleben nachhaltige Baumaterialien daher eine Renaissance. Insbesondere Holz ist stärker gefragt denn je, was Lieferengpässe und damit verbundene Preissteigerungen nach sich zieht. Gleichzeitig steigt die Zahl alternativer Baustoffe an – auch wenn vieles noch in der Forschung steckt oder aufgrund starrer Regelwerke noch nicht zulassungsfähig ist. Der DGNB-Report gibt auch zu einigen Nischenprodukten aus den folgenden nachhaltigen Baumaterialien einen kurzen Überblick: 

  • Holz 
  • Lehm 
  • Stroh 
  • Pilze 
  • Hanf 
  • Beton 

 

Der vollständige Report kann unter www.dgnb.de/publikationen kostenfrei in digitaler Form eingesehen oder als Printversion bestellt werden. 

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