| Förderungen , Trends | Britta Fitz

Energie­sparhaus – was ist das?

Alle reden vom Energiesparen – das hilft nicht nur dem Klima, sondern auch dem eigenen Geldbeutel. Besonders viel Energie kann jeder von uns im eigenen Zuhause sparen. Der Bau oder Kauf eines Energiesparhauses klingt daher sinnvoll – doch was versteht man unter einem Energiesparhaus überhaupt? Und welche Vorteile bringt es wirklich?

Energiesparhaus können sich viele Häuser nennen 
Eine klare Definition, was ein Energiesparhaus ist, gibt es nicht. Der Begriff beschreibt auch keine bestimmte Bauweise oder Hausform. Energiesparhaus ist vielmehr der Oberbegriff für Häuser, die weniger Energie verbrauchen als vergleichbare, konventionell gebaute Häuser. Der Energiespareffekt wird durch den Einsatz effizienter Haustechnik, hervorragender Dämmung und energiesparender Baumaterialien erzielt. Auch ein Bestandsbau kann nach einer energieeffizienten Sanierung zum Energiesparhaus werden. 

 

Energiesparhaus – das sind die Standards 
Unter dem Begriff Energiesparhaus haben sich zahlreiche Kategorien etabliert, die einen bestimmten energiesparenden Haustyp beschreiben. Hier führen wir die wichtigsten davon auf: 

 

  • KfW-Effizienzhaus: Über die staatlichen KfW-Programme förderfähiges Energiesparhaus, das bestimmte, vorgegebene Standards erfüllt. 
  • Niedrigenergiehaus: Ähnlich wie Energiesparhaus ein allgemeiner Begriff für ein Haus, das weniger Energie verbraucht als die gesetzlichen Mindestanforderungen vorgeben. 
  • 3-Liter-Haus: Verbraucht pro Jahr maximal den Energiegehalt von 3 Litern Heizöl pro Quadratmeter. 
  • Passivhaus: Verbraucht pro Jahr maximal den Energiegehalt von 1,5 Litern Heizöl pro Quadratmeter. Es benötigt dank sehr guter Dämmung und Wärmerückgewinnung nur an sehr kalten Tagen den Einsatz einer kleinen Notheizung. 
  • Sonnenhaus: Gewinnt seine Energie für Heizung und Warmwasser zu mindestens 50 Prozent über eine Solaranlage mit Pufferspeicher. 
  • Null-Energie-Haus: Erzeugt seine gesamte benötigte Energie selbst, zum Beispiel über Solarthermie, Photovoltaik- oder Wärmerückgewinnungsanlagen.  
  • Plus-Energie-Haus: Erzeugt mehr Energie als es selbst verbraucht – überschüssige Energie kann beispielsweise ins Netz eingespeist werden. 

 

Niedrigenergiehaus – früher exotisch, heute nahezu Standard 
Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde dem Energiesparen beim Hausbau kaum Beachtung geschenkt. Heizöl und Erdgas waren günstig und scheinbar im Überfluss verfügbar, um Klima- und Umweltschutz machte sich nur eine kleine Minderheit Gedanken. Kein Wunder also, dass Niedrigenergiehäuser oder Energiesparhäuser zu dieser Zeit eher die Ausnahme bildeten, waren ihre Baukosten doch um einiges höher als die konventioneller Gebäude. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Gesetzgeber hat die Anforderungen ans Energiesparen immer weiter verschärft – heute sind eine gute Dämmung und eine effiziente Heizungsanlage beim Neubau keine Option mehr, sondern längst Pflichtprogramm

 

Nicht nur das Null-Energie-Haus mit höheren Baukosten 
Mit ein Grund, warum Energiesparhäuser lange Zeit eher unpopulär waren, sind die Baukosten. Sie liegen im Vergleich zu einem konventionellen Haus höher – allgemein lässt sich sagen: Je energieeffizienter Sie bauen, desto teurer wird das Haus. Das liegt zum Beispiel an der aufwändigeren Dämmung und der teureren Haus- und Heizungstechnik. Grob geschätzt liegen die Kosten für ein Null-Energie-Haus, ein Passivhaus oder ein Plus-Energie-Haus um 10 bis 20 Prozent höher als bei einem herkömmlichen Neubau. Je nach verwendeten Baumaterialien und eingesetzter Technik können diese Mehrkosten jedoch stark variieren – hier sollten Sie sich auf jeden Fall im Voraus beraten lassen und mehrere Angebote einholen. 

 

Energiehaus mit Förderungen vom Staat 
Ein guter Weg, zumindest einen Teil der Mehrkosten für Ihr Energiesparhaus wieder auszugleichen, sind die Förderprogramme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Über Förderprogramme unterstützt der Staat energieeffiziente Bauten – nicht nur beim Neubau, sondern auch beim Sanieren. Möglich sind hier zinsverbilligte Kredite und Tilgungszuschüsse. Wollen Sie eines der zahlreichen Förderprogramme in Anspruch nehmen, muss Ihr Vorhaben gewisse Standards einhalten. Außerdem wichtig: Die Antragstellung muss vor Beginn Ihres Vorhabens erfolgen. Grundlage der einzelnen Förderprogramme sind der Primärenergiebedarf sowie der Transmissionswärmeverlust Ihres Energiesparhauses. Der Primärenergiebedarf gibt an, wie viel Energiemenge benötigt wird, um das gesamte Energiesparhaus zu versorgen. Beim Transmissionswärmeverlust handelt es sich um die Wärmemenge, die bei einem beheizten Energiesparhaus nach außen verloren geht. Es werden aber auch Teilbereiche gefördert, wie zum Beispiel der Bau einer Photovoltaik-Anlage oder der Einbau einer Brennstoffzelle für die innovative, klimafreundliche Energiegewinnung. Über die Vielfalt der Förderungen für Ihr Energiesparhaus sollten Sie sich rechtzeitig beraten lassen. Einen ersten und aktuellen Überblick bieten Ihnen auch die Websites von KfW und BAFA

 

Energiesparhaus bauen – Vorteile und Nachteile 
Der größte Vorteil eines Energiesparhauses ist offensichtlich: Sie sparen Energie und damit Geld. Besonders in Zeiten rasant steigender Energiepreise ist dieser Kostenfaktor nicht zu unterschätzen – schließlich kommt er über die gesamte Lebensdauer Ihrer Immobilie zum Tragen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Ein Bestandsbau aus den 1970ern verbraucht oftmals 300 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter an Heizenergie – das entspricht rund 30 Litern Heizöl. Bei einer angenommenen Fläche von 150 qm und einem Heizöl-Literpreis von 1,60 Euro zahlen Sie bei diesem Altbau jährlich über 7.000 Euro Heizkosten. Bei einem gleich großen 3-Liter-Haus müssten Sie nur etwas über 700 Euro jährlich bezahlen. Hochgerechnet auf 25 Jahre wäre das eine Ersparnis von über 150.000 Euro – schwankende Energiepreise nicht mit einkalkuliert. Sie sehen: Anfänglich scheinbar sehr hohe Investitionen in eine bessere Energieeffizienz Ihrer Immobilie können sich schnell auszahlen. 

 

Weitere Vorteile eines Energiesparhauses: 

  • Autonome oder teilweise autonome Energiegewinnung, die Sie unabhängig von Anbietern und Preisen macht 
  • Unabhängigkeit von immer knapper werden Ressourcen wie Erdöl und Erdgas 
  • Förderung durch den Staat 
  • Einspeisung überschüssiger Energie ins Netz generiert zusätzliches Einkommen 
  • Wertsteigerung Ihrer Immobilie – auch im Hinblick auf den Wiederverkaufswert 
  • Gesünderes Wohnklima dank natürlicher Baustoffe 
  • Aktiver Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz 

 

Nachteile eines Energiesparhaus: 

  • Hohe anfängliche Investition 
  • Kostenintensive Lüftungsanlage zwingend erforderlich, um Schimmelbildung zu vermeiden 
  • Höhere technische Anforderungen und dadurch höheres Fehlerpotenzial bei Bau oder Sanierung 

 

Energiesparhaus planen 
Eine gute Planung ist bei jedem Hausbau wichtig. Möchten Sie ein Energiesparhaus bauen, sollten Sie bei Ihrer gewissenhaften Planung einige zusätzliche Faktoren berücksichtigen – schließlich muss Ihr Energiesparhaus besondere Anforderungen erfüllen. Wir haben hier einige dieser zusätzlichen Planungsaspekte für Sie aufgeführt: 

  • Kompakte Bauweise für möglichst geringen Energieverlust 
  • Große Fensterflächen nach Süden hin, zur Nordseite eher geschlossen 
  • Fenster mit dreifacher Wärmeschutzverglasung 
  • Luft- und winddicht verarbeitete Bauteile 
  • Dämmung der Leitungen von Heizung und Warmwasser 
  • Lückenlose Wärmedämmung (Außenwände mindestens 12 cm, Innenwände mindestens 8 cm) 
  • Wärmedämmung des Dachs (mindestens 20 cm) 
  • Dämmung der Kellerdecke 
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