Sie gelten als schnell und bequem: Fertighäuser. Aber Fertighaus ist nicht gleich Fertighaus. Welche Arten gibt es? Worauf muss bei Kauf und Bau geachtet werden? In Teil 3 unserer Immobilientypen-Serie erfahren Sie alles über das Fertighaus.

Nachdem sich im zweiten Teil unserer Serie alles um die Eigentumswohnung drehte, wird es heute eine Nummer größer. Im Fokus: das Einfamilienfertighaus, das aus vorgefertigten Teilen zusammengesetzt wird. Bauherren schätzen diesen Immobilientyp vor allem aus folgenden Gründen:

Bequemlichkeit: Aus verschiedenen Grundrissoptionen wird das künftige Eigenheim ausgewählt und anschließend aufgebaut.
Schnelligkeit: Vor allem in der Planungsphase und während der Montage des Rohbaus sparen Sie gegenüber anderen Einfamilienhäusern Zeit.
Planungssicherheit: Durch die vorgefertigten Teile ist der Fertigstellungstermin in der Regel verbindlicher. Zudem ist bei Fertighäusern ein Festpreis üblich.
Besichtigungsmöglichkeit: In Musterhausparks können Sie ein baugleiches Modell Ihres Fertighauses vor dem Kauf besichtigen.

Zu den möglichen Nachteilen eines Fertighauses gehören:


Standardisierung: Zwar können Bauherren viel mitbestimmen, dennoch lässt sich das Fertighaus durch die standardisierten Teile nur begrenzt individualisieren. Mehr Individualität ist meist mit Mehrkosten verbunden.
Bauweise: Fertighäuser werden als massives Haus oder in Leichtbauweise angeboten. Letzterer wird oft eine geringere „Lebensdauer“ nachgesagt. Deshalb erzielen Fertighäuser in Leichtbauweise in der Regel einen geringeren Wiederverkaufswert. Ein weiterer Nachteil: Versicherungen könnten wegen der Leichtbauweise höhere Beiträge festsetzen.

Fertighaus ist nicht gleich Fertighaus

Den Schlüssel umdrehen und ab ins Eigenheim – so einfach geht es nur bei einem bezugs- oder schlüsselfertigen Fertighaus. Ein Luxus, der ins Geld geht. Günstiger sind dagegen Ausbau- und Bausatzhäuser. Beide Varianten werden ebenfalls von Fertighausanbietern angeboten. Wesentlicher Unterschied: der Baufortschritt bei der Übergabe. Beim Ausbauhaus werden die fertigen Teile zur Baustelle geliefert und von Profis montiert, bis ein witterungsbeständiger, ausgebauter Rohbau steht. Das heißt, neben Wänden und Dach sind auch Fenster und manchmal auch Türen an Ort und Stelle. Übrig bleibt der Innenausbau. Den können Bauherren mit handwerklichem Geschick in Eigenregie erledigen.

Wer sich mehr verwirklichen oder Kosten reduzieren möchte, kann zum Bausatzhaus greifen. Hier bekommt der Bauherr eine Art Bausatz geliefert, aus dem er sich mit Anleitungen selbst sein Fertighaus konstruieren kann. Der Fertighausanbieter steht dabei beratend zur Seite.

Zwei Bestandteile, die in jeden Bauvertrag gehören

Was der Bauherr im Detail vom Fertighausanbieter geliefert bekommt, steht in der Bau- und Leistungsbeschreibung. Ein schlüsselfertiges Haus muss zum Beispiel nicht gleich auch bezugsfertig sein. Prüfen Sie deshalb ganz genau den Inhalt, denn die Beschreibung wird anschließend Teil des Bauvertrags. Dabei gilt: Die Bau- und Leistungsbeschreibung sollte so detailliert und umfangreich wie möglich sein.

Beim Vertragsabschluss mit einem Fertighausanbieter sollten Bauherren außerdem auf die sogenannte Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) achten. Diese enthält die „Allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen“. Ob Vergütung, Kündigung oder Abnahme: Die VOB/B regelt in 18 Paragrafen wichtige Vertragsinhalte.

Worauf beim Fertighausbau zu achten ist

Bereits vor Baubeginn haben Bauherren einiges zu organisieren. Die Vorbereitungen reichen von der Suche eines passenden Grundstücks über die richtige Finanzierung bis hin zum Einholen der Baugenehmigung. Liegt diese vor und Sie haben Ihre Bauplanung abgeschlossen, kann es an den Hausbau gehen. Erste wichtige Frage dabei: Keller oder Bodenplatte? Nicht jeder Fertighausanbieter übernimmt den Bau eines Kellers oder – wenn Sie keinen Keller haben wollen – einer Bodenplatte. Informieren Sie sich vorab beim Anbieter, ob dieser den Keller- beziehungsweise Bodenplattenbau übernimmt.

Anschließend kann es an den Rohbau gehen. Wand an Wand entsteht dieser in kürzester Zeit, sodass sich Bauherren nur wenige Tage später um den Innenausbau kümmern können. In der Regel beginnt der Innenausbau mit der Installation der Sanitäranlagen und der Elektroanschlüsse. Es folgen Treppen, Türen, Bodenbeläge und Tapezier- und Malerarbeiten. Zum Abschluss stehen die Bauabnahme und der Umzug an. Doch wie lange dauert der Bau insgesamt? Die wichtigsten Bauphasen lassen sich zeitlich etwa so einordnen:

Bauplanung: Je nachdem, wie weit die eigenen Wünsche von dem gewählten Grundriss abweichen, kann die Bauplanung bis zu sechs Monaten dauern.
Baugenehmigung: Die Bearbeitung des eingereichten Bauantrags kann dauern. Je nachdem wie zügig die Behörde arbeitet, können so ein bis sechs Monate vergehen. Die Regel sind zwei bis drei Monate.
Keller-/ Bodenplattenbau: Der Kellerbau ist witterungsabhängig und nach rund drei Wochen abgeschlossen. Eine Bodenplatte ist schneller gelegt. Rechnen Sie hier mit rund zwei Wochen.
Rohbau: Der Rohbau des Fertighauses geht am schnellsten, da die Trocknungsphase entfällt. So ist der Rohbau in ein bis drei Tagen abgeschlossen.
Innenausbau: Bei schlüsselfertigen Häusern dauert der Innenausbau etwa drei Monate. Übernehmen Bauherren den Ausbau in Eigenregie oder überlassen ihn anderen Baufirmen, kann der Ausbau auch mehr Zeit beanspruchen.

Besonderheit: Bauen mit einem Bauunternehmen

Oft entscheiden sich Bauherren dafür, ihren Neubau von einem Bauträger errichten zu lassen. Dabei gehen die Zahlungen dann nicht an die einzelnen Handwerker. Stattdessen wird alles mit dem Bauträger abgerechnet. Dieser darf aber nicht nach Belieben Teilzahlungen oder gar Vorkasse verlangen. Die Verordnung über die Pflichten der Makler, Darlehensvermittler, Bauträger und Baubetreuer (MaBV) sowie die Gewerbeordnung (GewO) regeln die Zahlung.Demnach muss der Bauträger einen Zahlungsplan erstellen, der angibt, wann und wie viel der Käufer zu zahlen hat. Dazu listet die MaBV 13 Baufortschrittsstufen. Je nach Fortschritt können sich demnach aber nur maximal sieben Teilzahlungen ergeben, die der Bauträger dem Bauherren in Rechnung stellen darf.

Besonderheiten bei der Finanzierung

Der Zahlungsplan hat auch Auswirkungen auf die Finanzierung des Hausbaus. Denn wenn gemäß der MaBV gezahlt wird, fallen für die ausgezahlten Darlehensbeträge Zinsen an. Dadurch müssen sich Bauherren während der Bauphase auf eine Doppelbelastung von Miete und Zinsen einstellen.

Der Weg ins Eigenheim kann durch ein bezugs- und schlüsselfertiges Fertighaus besonders schnell gehen. Wie lange es bei einem Einfamilienhaus im Bestand dauert und welche Besonderheiten es dabei gibt, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Immobilientypen-Serie.

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