Kein Hausbau verläuft reibungslos. Die eine oder andere Hürde bringt Hausbesitzer im Nachhinein aber vielleicht sogar zum Schmunzeln. So wie Katja Apelt und Axel Dielmann, die über ihre Erfahrungen ein ganzes Buch geschrieben haben. Warum die beiden die Probleme um ihren Kamin immer mit dem Stichwort „Kaffee“ verbinden, lesen Sie in einem neuen Auszug ihres Buchs „Ein Pärchen im Baurausch“.

„Ein Pärchen im Baurausch“ von Katja Apelt und Axel Dielmann, ab Seite 315

15. Januar
Der zwei-köpfige Trupp zum Rohre-Pflücken rückt an. Es geht los mit der Kaminklappe unten im alten Heizungskeller. Sorgsam hängen die Jungs alle Regale, die hier inzwischen mit meinen Werkzeugen und Schraubensammlungen stehen, ab und beginnen, zusätzlich mit Staubsauger bewaffnet, den Kamin aufzustemmen, die Klappe soll entfernt werden, von hier unten die untersten Rohrstücke herausgezogen und dann alles zugemauert werden. Ob die beiden einen Kaffee wollen, frage ich in guter Baustellen-Tradition der 36. »Ja, gerne«, sagt der Chef der Truppe. Sollen sie haben.

Nach eineinhalb Stunden sind hier unten zwei große Löcher im Kaminsockel gewachsen, die alten Klappen und Rußschächte entfernt. Eben räumen sie ihr Werkzeug zusammen, um ins Wohnzimmer hinauf zu steigen und am Kaminabschnitt weiter zu schaffen, in den der eigentliche Kamin-Abzug einmünden wird. »Ja, ich nehme noch einen!«, sagt der Truppführer. Was meint der Mann? Da reicht er mir, Bohrermaschine unterm einen Arm, Werkzeugsack im andern, seinen Kaffeebecher. Oh, alles klar. »Sie auch?«, frage ich seinen Assistenten. Nicken. Okay, Kaffee läuft.

Eine weitere Stunde später steigt der Chef im ersten Stock an meinem Büro vorbei, ich winke, er ist offenbar auf dem Weg aufs Dach, um von dort weitere Rohrteile herauszuziehen. »Läuft alles?«, rufe ich ihm nach. Da kommt er zurück, schaut in mein Büro: »Ob Sie wohl einen Kaffee haben?« Tja, wer A sagt, muss auch B liefern, denke ich mir, sonst scheint immerhin alles zu laufen. »Wollen Sie ihn oben oder …?« Schon im Schlafzimmer ruft er zurück: »Nein, nein, unten, müssen ja den Kaminanschluss vorbereiten!« Das ist nachvollziehbar. Und nach einer Viertelstunde trabt er die Treppe herab und wuchtet die ersten drei Rohrstücke nach unten, kommt mit dem Zweiten zurück und holt die restlichen Rohrstücke.

Wovor wir so lange Bammel hatten, ist innerhalb von knapp zwei Stunden erledigt: Die Edelstahl-Rohre aus dem Kamin sind vorm Haus auf dem Kleinlaster der Kaminbauer gelandet, wie ich sehe, als ich den dritten Kaffee unten abliefere. Die beiden haben unterdessen im Parterre am Kamin begonnen, Maß zu nehmen. »Sind Sie sicher mit der Zeichnung zum Kaminanschluss?«, schlürft der Chef an seiner Tasse. Wie meinen? »Da war eigens jemand von der Kamin-Firma da und hat das vermessen«, erzähle ich. Nicken. Schlürfen. »Kaffee ist gut!«, bekomme ich als Antwort. Na denn.

Kurz darauf gibt es ohrenbetäubendes Geschleife im Wohnzimmer. Nach einigen Minuten will ich dann doch wissen, was da vor sich geht und steige hinunter. Eine an sich schon riesige Bohrmaschine wird vom einen am hinteren Ende von der Seite her in den Kaminkörper gedrückt, der andere hat das Trumm am vorderen Griff gepackt. Auf die Maschine aufgesetzt ist ein Bohrstück, das wie ein kleines Bierfässchen aussieht, gut 20 cm im Durchmesser, 35 cm lang, so fräsen sie sich durch alles hindurch in den Kamin. Mit Ohrenschützern ausgestattet, sehen die beiden aus wie zwei jugendliche Rapper mit ihren High-Fi-Kopfhörern, deuten einander auch teils irgendwelche Zeichen zu, die jeden Hip-Hopper das Grausen lehren würden. Ich schaue einen Moment lang zu, wie sie im Mauerwerk wuchten, winke kurz und beeindruckt.

»Ja, gerne«, brüllt der Chef durch das Donnern hindurch – wie bitte? – Er deutet, indem er eine Hand freimacht und das Bohraggregat, das sein Kompagnon weiter mit rüttelnden Armen führt, stattdessen mit der Schulter weiter belastet, auf seinen Kaffeehumpen – ah, ich verstehe: »Okay, noch einen Kaffee für Sie, ja?« brülle ich zurück. Auch der Gehilfe schaut kurz zu mir. Nicken, weiter geht es mit dem Riesenbohrerkranz.

Nach zwanzig Minuten plötzlich Stille am Kamin. Ob den beiden wohl der Saft, Pardon, der Kaffee ausgegangen ist? Nach weiteren fünf Minuten Bohrpause steige ich hinunter. Die zwei haben exakt nach Aufmaß unseres prima Kaminherstellers gebohrt, jetzt stehen sie ratlos da. »Passt nicht!«, sagt der Chef, schaut in seinen leeren Becher, dann wieder in die Kaminwand. Ich verkneife mir die Frage nach einem weiteren Kaffee: »Und wer, sagen Sie, hat die Zeichnung zum Kaminanschluss gemacht?«, fragt er, schaut nun in das entstandene Loch: »Seh’n Sie mal!«

Leider sehe ich. Der Außendienstler unserer Kamin-Experten hat sich einen tollen Schnitzer geleistet: Der Mann, der in seinen Lackschuhen hier alles aufwendig für den Kamin vermessen und uns in seinem Deluxe-Jacket allerlei Schwierigkeiten diktiert hatte, hat zwar die Außenmaße des Kaminkörpers genau ausgemessen, aber er hat offenbar nicht bedacht, dass so eine Kaminwand, wie eigentlich jede Mauer im bekannten Universum, gerne auch eine Dicke hat. Er hat die Position des Zugangs in die Mitte der Kamintiefe gesetzt – aber es ist die Mitte, die er von außen gemessen hat. Wenn man hier bohrt, landet man nicht in der Mitte des Kaminzugs, sondern in der vorderen Wand des Kamins. Genau da ist nun der Profi-Bohrkranz stecken geblieben – wir haben einen halben Kamin-Anschluss. Das ist dumm.

»Haben Sie noch einen?«
Wie bitte? – Doch, doch, er meint nicht etwa einen zweiten Kamin-Zugang. Sondern Kaffee.
Wie gut, dass ich mich hier nicht aufrege: Denn es zeigt sich, dass der unterdessen fünfte Kaffee den beiden Helden am vermaßten Kaminzug hilfreiche Eingebungen bringt: »Wir können jetzt eigentlich nur folgendes machen: Wir führen das Kaminrohr« – Schlürfen – »wenn Sie einverstanden sind« – Schlürfen – »leicht schräg in den Kamin ein, so etwa …« Schlürfen. Und er zeigt, den Becher nur für sehr kurz aus der Hand gestellt, in einem 10-Grad-Winkel in die halbe Öffnung hinein. – Wir diskutieren die Sachlage. Wir betrachten – Schlürfen – gemeinsam die Kaminverkleidung, schauen in die Zeichnungen vom Hersteller, messen, die Höhe immerhin scheint einigermaßen zu stimmen, prüfen, ob die Kaminrohrteile als Verbindung vom Brennkörper in den Kaminzugang passen werden, was aber letztlich nicht zu klären ist – ich gebe mein Okay zum schiefen Kaminabzug. Was bleibt mir anderes übrig, wenn wir hier endlich mit dem Kamin zu einem Ergebnis kommen wollen! – Mit der Verkleidung des Kamins werde ich dadurch ziemliche Probleme bekommen, weil ja das Loch vom Kaminlieferanten ganz anders konzipiert und angebracht worden ist.

»Ähm …«, macht der Chef, als ich mich schon auf den Weg in mein Büro machen will – er hält seinen Kaffeehumpen hoch. Klar. »Sie auch?«, frage ich seinen Adlatus, der schon Hammer und Meißel bereitlegt. Nicken.

Frisch gestärkt wird eine knappe Stunde lang geklopft. Dann wieder Ruhe am Bau. – Was ist jetzt?

Ich steige hinunter. Meine Helden am Kaffee-Pott packen zusammen. Ja, es ist beste Kaffeezeit, halb fünf durch. »Wir kommen dann morgen. Unten Klappe einmauern. Hier Rohr-Manschette einmauern. Wird schon!« So machen sie sich auf in Richtung Haustüre. Nur so aus Spaß, denke ich, könnte man ja fragen: »Noch einen Kaffee auf den Weg?«
»Och, wenn Sie mich so fragen …«

Welche Geschichten Katja Apelt und Axel Dielmann noch auf ihrem Weg ins Eigenheim erlebt haben, lesen Sie in ihrem Buch: „Ein Pärchen im Baurausch- Geschichten von der eigenen Baustelle“.

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