Ganz individuell, perfekt zugeschnitten auf das eigene Grundstück – das macht ein Architektenhaus aus. Doch welche Vorteile bietet ein Architekt und wie teuer ist er? Alles zum Architektenhaus im fünften Teil unserer Immobilientypen-Serie.

Wenn es um die Frage nach dem Baupartner geht, haben Bauherren die Wahl: Bauunternehmen, Bauträger oder Architekt? Letzterer steht für Individualität wie kein Zweiter. Denn Grenzen gibt es mit ihm fast keine. Ob Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus oder Bungalow – ein Architekt kann für jeden Immobilientypen Ideen entwerfen. Eine festgelegte Bauweise gibt es nicht. Er orientiert sich an den Wünschen des Bauherrn, dessen Budget und den Möglichkeiten vor Ort. Das macht das Architektenhaus zur echten Alternative bei der Wahl des Immobilientypen. Was alles für ihn spricht? Die Vorzüge des Architektenhauses im Überblick:

 

  • Individualität: Hier die Treppe, da der Kamin – wie auch immer Sie sich Ihr Traumhaus vorstellen, ein Architekt kann Ihre Wünsche berücksichtigen.

  • Weniger Baustress: Der Architekt kennt die Vorstellungen des Bauherrn, plant und entwirft das Haus. Doch auch danach kümmert er sich überwiegend um den Fortschritt desBaus. Das entlastet die künftigen Besitzer.

  • Sicherheit: Treten Baufehler auf, haftet in der Regel der Architekt dafür und nicht der Bauherr.

  • Leicht modifizierbar: Sind Bauherren bei der Planung weitsichtig, kann sich das Haus später leicht umbauen lassen. So kann beispielsweise mit wenig Aufwand aus einigen Räumen eine Einliegerwohnung entstehen.

 

Zu den möglichen Nachteilen eines Architektenhauses gehören:

 

  • Hoher Planungsaufwand: Da das komplette Haus entworfen werden muss,wird besonders viel Arbeit in den richtigen Bauentwurf gesteckt.

  • Mehrkosten: Für den Architekten fallen beim Bau zusätzliche Kosten an.

 

Die Aufgaben des Architekten

Vom Traum zur Wirklichkeit: Der erste Schritt auf dem Weg zum Architektenhaus führt natürlich zum Architekten. Im Gespräch mit dem Bauherrn überlegen sich beide, wie das Eigenheim aussehen könnte und was realistisch ist. Denn vielleicht liegt nicht jede Idee im Budget. Nach und nach entsteht aus den Vorstellungen ein Entwurf. Dabei muss der Architekt aber auch Besonderheiten berücksichtigen. Wie ist das Grundstück beschaffen? Macht die Gemeinde Vorgaben durch den Bebauungsplan oder muss das Objekt in ein bestimmtes Stadtbild passen? Fragen, die Bauherren vielleicht noch nicht in ihre Überlegungen einbezogen hatten.

Steht der Bauplan, muss er genehmigt werden. Auch darum kümmert sich der Architekt. Anschließend vergibt der Fachmann einzelne Arbeiten an Handwerker sowie Bauunternehmen und überwacht die Bauausführung.

Wie stark sich der Architekt einbringt, entscheidet der Bauherr. Dieser kann alle Arbeiten komplett an den Architekten abgeben oder nur einen Teil erledigen lassen. So kann ein Architekt auch nur ein Ausbauhaus – ähnlich wie beim Fertighaus – liefern. Den Innenausbau übernimmt der Bauherr dann selbst.

 

Wieviel kostet ein Architekt?


Die Kosten für einen Architekten ergeben sich aus einer komplizierten Berechnung. Diese ist in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) geregelt. Im Wesentlichen setzt sich die Höhe des Honorars aber aus drei Punkten zusammen: den anrechenbaren Baukosten (reine Bau- und Ausbaukosten ohne Grundstück und Erschließungskosten), der Komplexität und den sogenannten Leistungsphasen.

Die HOAI unterteilt die Komplexität in fünf Honorarzonen. Einfamilienhäuser gehören dabei zu den Zonen drei (durchschnittliche Anforderung) oder vier (hohe Anforderung). Auch die Leistungsphasen sind in der HOAI geregelt. Das sind Abschnitte, die sich an dem Fortschritt des Architektenhauses orientieren. Mit jedem Abschnitt steht dem Architekten auch ein prozentualer Wert des Honorars zu. Das sind die neun Leistungsphasen:

 

  • Grundlagenermittlung (zwei Prozent): Der Architekt prüft, ob das Bauvorhaben machbar ist. Dazu gehört neben dem Gespräch mit dem Bauherrn auch eine Ortsbesichtigung. Anschließend erstellt der Fachmann eine Übersicht.

  • Vorplanung (sieben Prozent): Eine erste Skizze vom Eigenheim entsteht. Außerdem erstellt der Architekt einen groben Terminplan und schätzt die Kosten.

  • Entwurfsplanung (15 Prozent): Der Architekt erarbeitet ein Konzept für die Bauplanung. Dazu holt er sich auch Informationen von anderen Experten ein – zum Beispiel Statiker. Zudem berechnet er die wahrscheinlichen Kosten und gleicht sie mit der Kostenschätzung ab.

  • Genehmigungsplanung (drei Prozent): Der Architekt bereitet alle wichtigen Unterlagen für die Baugenehmigungen auf und reicht sie bei den Behörden ein.

  • Ausführungsplanung (25 Prozent): Mithilfe der Entwürfe und anderen Unterlagen erstellt der Architekt eine detaillierte Bauplanung – die Grundlage für die nächsten Phasen.

  • Vorbereitung der Vergabe (zehn Prozent): Der Architekt stellt die Leistungsbeschreibungen für die anfallenden Arbeiten auf und fertigt einen Terminplan an.

  • Mitwirkung bei der Vergabe (vier Prozent): Der Architekt holt Angebote von Bauunternehmern sowie anderen Dienstleistern ein und prüft diese.

  • Objektüberwachung (31 Prozent): Die Arbeiten sind verteilt, jetzt geht es an den tatsächlichen Bau. Der Architekt überwacht die einzelnen Fortschritte und dokumentiert diese. Dabei hat er immer den Zeitplan im Auge. Gleichzeitig beantragt er die Bauabnahme und kontrolliert die Kosten. Abschließend übergibt der Architekt das Haus an die Eigentümer.

  • Objektbetreuung (zwei Prozent): Das Haus steht und der Architekt betreut die Besitzer, falls nach der Fertigstellung noch Mängel auftreten.

 

Kosten sparen beim Architektenhaus


Die Kosten für ein Architektenhaus unterscheiden sich stark. Je aufwändiger die Umsetzung einer Idee, desto mehr Kosten entstehen. Doch das heißt nicht, dass ein Architektenhaus unbedingt teuer sein muss. Die Kosten einiger Architektenhäuser sind vergleichbar mit anderen Immobilientypen. Obendrein gibt es beim Architektenhaus auch Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Ein Überblick:

 

  • Kleine Fläche effektiv nutzen: Häuser mit einer Fläche von maximal 120 m² sind meist besonders günstig.

  • Braucht es wirklich einen Keller? Vielleicht reicht auch die günstigere Bodenplatte.

  • Einfache Form: Schon ein kleiner Erker kostet rund 3.000 Euro zusätzlich. Doch es spricht noch mehr für einfache Formen. Denn eine geringe Außenfläche senkt Heizkosten.

  • Kostengünstige Materialien wählen: Eine Tür muss nicht aus massivem Holz bestehen, ein leichteres Material reicht auch. Nutzen Sie Alternativen.

  • Standardisierte Fenster und Türen kosten weniger als maßgeschneiderte Lösungen. Tipp: Wo kein Fenster geöffnet werden muss, macht es auch eine Festverglasung.

  • Selbst anpacken: Die „Muskelhypothek“ spart ebenfalls Kosten.

  • Förderungen nutzen: Fördermittel bieten finanzielle Unterstützung beim Hausbau. Eine Übersicht dazu finden Sie bei der „aktion pro eigenheim“.

 

Individuell und trotzdem nicht zwingend teuer – das macht ein Architektenhaus zur echten Alternative unter den Immobilientypen. Wer es allerdings eine Nummer größer mag, kann sich auf den nächsten Teil unserer Immobilientypen-Serie freuen. Im Fokus: das Mehrfamilienhaus.

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