Gibt es für die Baufi­nan­zierung ein Sonder­kün­di­gungs­recht?

Nur wenige Menschen können den Bau ihres Eigenheims oder den Kauf einer Wohnung aus eigenen Mitteln bezahlen. Die Mehrheit der Verbraucher benötigt externe Hilfe in Form eines Baudarlehens durch die Hausbank oder eines anderen Kreditinstitutes.

Bei Abschluss des Vertrages denkt kaum einer an eine mögliche vorzeitige Kündigung des Baukredites. Doch was, wenn sie wirklich nötig wird? Gibt es ein außerordentliches Kündigungsrecht, mithilfe dessen Verbraucher aus ihrem Vertrag rechtssicher herauskommen? Ein solches existiert tatsächlich. Es basiert auf dem § 489 BGB und erlaubt Darlehensnehmern, die Immobilienfinanzierung ohne Vorfälligkeitsentschädigung außerordentlich zu kündigen – teilweise oder vollständig.

Sind Bedingungen an das Sonderkündigungsrecht gemäß § 489 BGB geknüpft?

Um Ihren beispielsweise in puncto Laufzeit oder Zinssatz unveränderten Baukredit durch Inanspruchnahme einer außerordentlichen Kündigung beenden zu können, müssen Sie einige Bedingungen erfüllen. So bedarf es einer 10-jährigen Frist, die einen Tag nach der Auszahlung des allerletzten Euros Ihres Darlehens beginnt. Erst dann können Sie Ihre mit festem Sollzinssatz abgeschlossene Immobilienfinanzierung gemäß § 489 BGB ohne Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung kündigen. Wirksam wird die Kündigung allerdings erst, nachdem die 6-monatige Kündigungsfrist verstrichen ist. Danach bleiben Ihnen zwei Wochen, um die restliche Schuld zu tilgen. Tun Sie dies nicht, ist die außerordentliche Kündigung unwirksam. Während der 6-monatigen Kündigungsfrist dürfen Sie die Restschuld nicht tilgen.

Wie läuft die Sonderkündigung eines Baukredites ab?

Möchten Sie Ihr Baudarlehen nach 10 Jahren auf Basis des § 489 BGB außerordentlich kündigen, sollten Sie die Rückzahlung der verbleibenden Schuld frühzeitig sicherstellen. Idealerweise kündigen Sie erst dann Ihren aktuellen Kredit, wenn Sie beispielsweise die Zusage einer Bank für eine Anschlussfinanzierung erhalten haben. Bei einem unverhofften Geldsegen durch ein Erbe beziehungsweise vorhandenen Ersparnissen stellt sich diese Frage natürlich nicht. Entnehmen Sie Ihren Unterlagen das Datum, an dem Ihr Baukredit seitens der Bank komplett ausgezahlt worden ist und berechnen Sie anhand dessen den Zeitpunkt Ihrer schriftlich einzureichenden Kündigung unter Bezugnahme auf Darlehensnummer, Abschluss- und Kündigungstermin sowie § 489 BGB.

Was hat das § 489 BGB-Sonderkündigungsrecht mit einer Umschuldung zu tun?

Das besondere Kündigungsrecht nach § 489 BGB dürfen Sie nur dann wahrnehmen, wenn Sie Ihren Baukredit mit einem festgeschriebenen Zinssatz abgeschlossen haben. Im Laufe der Zeit können sich allerdings bessere Angebote auftun, die Sie leicht durch einen Kreditvergleich online entdecken können. Hierbei können sich bereits scheinbar minimale Veränderungen enorm auswirken und Ihnen eine Ersparnis von mehreren tausend Euro einbringen. Bietet sich Ihnen tatsächlich die Chance auf attraktivere Konditionen, sollten Sie nicht lange überlegen und Ihre bestehende Immobilienfinanzierung nach Ablauf der 10 Jahre umschulden. Ob sich dies in Ihrem Fall tatsächlich lohnt, finden Sie leicht durch eine persönliche Beratung heraus.

Können Verbraucher ihr Darlehen auch vor Ablauf der 10 Jahre kündigen?

Sie können Ihren Baukredit auch vor Ablauf jener 10 Jahre kündigen, die nötig sind, um vom § 489 BGB-Sonderkündigungsrecht zu profitieren. Jedoch kommen Sie dann nicht in den Genuss, keine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen. Stattdessen wird jene fällig, da die Bank zumindest teilweise einen Ersatz für die entgangenen Zinszahlungen haben möchte. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, durch deren Auftreten Sie keine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen müssten. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie Ihre Immobilie verkaufen und der neue Besitzer Ihr Darlehen fortführen möchte. Auch eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung, die Kündigung des Kredites durch die Bank oder die einvernehmliche Aufhebung des Darlehens sind mögliche Gründe.