Eine Baufinanzierung ist die beliebteste und am häufigsten genutzte Möglichkeit, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen.

Bei einer Baufinanzierung wird der Betrag, der für den Bau bzw. Kauf einer Immobilie benötigt wird, über einen bestimmten Zeitraum finanziert; der Darlehensnehmer kann die jeweilige Immobilie also sofort erwerben und zahlt dafür eine bestimmte monatliche Rate an den Darlehensgeber zurück. Bevor eine Baufinanzierung aber vom Kreditgeber bewilligt wird, möchte dieser üblicherweise Einblick in Einkommens- bzw. Vermögensnachweise des Darlehensnehmers erhalten.

Ist eine Baufinanzierung ohne Einkommensnachweise möglich?
Seit dem 21. März 2016 ist eine Baufinanzierung ohne Vorlage von Einkommensnachweisen nicht mehr möglich. Dies ist der Einführung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie geschuldet. In dieser Richtlinie wird den Banken vorgeschrieben, die wirtschaftliche Situation des Darlehensnehmers genau unter die Lupe zu nehmen. Hiermit soll eine Überschuldung des Kreditnehmers vermieden werden. Allerdings ist eine vereinfachte Prüfung bei niedrigen Beleihungen möglich, bei denen zum Beispiel lediglich die Vorlage des letzten Steuerbescheides als Nachweis ausreichend ist.

Wie war die Situation vor dem 21. März 2016?

Bis zum 21. März 2016 konnten theoretisch alle Sparkassen und Banken Immobilienfinanzierungen ganz ohne Einkommensnachweise anbieten. Zumindest galt dies für den Fall, dass nicht mehr als 60 Prozent des Verkehrswertes der jeweiligen Immobilie finanziert werden sollten. Soweit die Theorie; in der Praxis jedoch verlangten nahezu alle Banken auch bei geringen Beleihungen einen Nachweis des Vermögens oder Einkommens. Aus Sicht des Kreditgebers macht dies auch Sinn, denn diesem ist natürlich daran gelegen, dass der Kreditnehmer den Finanzierungsbetrag zuverlässig zurückzahlen kann.

Wie ist die Situation heute?
Von einigen wenigen Finanzierungspartnern wird auf die Prüfung von Einkommensunterlagen bei Beleihungen bis etwa 60 Prozent des Beleihungswertes verzichtet. Diesen Finanzierungspartnern reichen eine Selbstauskunft sowie die üblichen Objektunterlagen, also beispielsweise Wohnflächenberechnung und Grundrisse, als Grundlage für die Baufinanzierung aus.
Natürlich gilt es für den Kreditnehmer, solche vereinfachten Baufinanzierungsangebote besonders gründlich zu prüfen. Ist der jeweilige Anbieter tatsächlich seriös und wie sieht es mit den Kreditkonditionen aus? Muss mit besonderen Zinszuschläge oder Gebühren gerechnet werden? All dies sollte im Vorfeld geprüft werden, ehe man seine Unterschrift unter den Baufinanzierungsvertrag setzt.

Auch im gewerblichen Bereich sind Baufinanzierungen ohne Nachweise von Einkommen grundsätzlich möglich, unterliegen jedoch anderen Grundsätzen und Regeln als die Finanzierung rein wohnwirtschaftlich genutzter Immobilien. Diese Option ist sicherlich vor allem für neu gegründete Besitzgesellschaften sehr hilfreich, die naturgemäß noch keine umfangreichen Einkommensnachweise beibringen können.

Baufinanzierung ohne Nachweis der Bonität?
Selbst bei Baufinanzierungen, die auf Einkommensnachweise verzichten, ist eine Prüfung der Bonität des Kreditnehmers anhand einer Selbstauskunft obligatorisch. Darüber hinaus wird eine SCHUFA-Auskunft sowie bei Selbstständigen zusätzlich noch eine Auskunft bei der Creditreform eingeholt. Sämtliche Wirtschaftsauskünfte müssen für die Gewährung einer Baufinanzierung ohne Einkommensnachweise einwandfrei sein.
Letztlich dient diese Auflage aber nicht nur dem Kreditgeber als Sicherheit, sondern auch der Kreditnehmer bleibt durch diese Prüfung vor einer möglichen Überschuldung bewahrt.