Viele Menschen entscheiden sich erst ab einem Alter von über 50 Jahren für eine eigene Immobilie. Für die späte Entscheidung für eine Baufinanzierung sprechen unterschiedliche Gründe.

Die Generation 50 Plus hat deutlich später mit der Gründung der eigenen Familie begonnen, die berufliche Entwicklung stand zunächst im Mittelpunkt. Interesse an einer Immobilienfinanzierung gab es zunächst keines, da die finanzielle Situation den Erwerb der eigenen Immobilie kaum zuließ.

Aufgrund der steigenden Mieten und dem Wunsch nach einer erweiterten Altersversorgung greifen viele Menschen über 50 Jahre heute zu einer Baufinanzierung. Grundsätzlich ist gegen dieses Vorhaben nichts einzuwenden, jedoch gibt es einige Dinge zu beachten.

Eine veränderte Finanzsituation im Rentenalter berücksichtigen
Ein wichtiger Aspekt bei der Finanzierung des eigenen Wohnraumes ist die veränderte finanzielle Situation mit dem Eintritt in die Rente. Nach der Beendigung des Berufslebens sinkt bei den meisten Menschen das Einkommen. Stehen zu diesem Zeitpunkt nur noch rund 75 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung, kann eine hohe Finanzierungsrate für die eigene Immobilie zu einem echten Problem werden.

Ein Ausweg könnte die Reduzierung der finanziellen Belastung im Rentenalter, beispielsweise durch eine Senkung der Tilgungsrate, darstellen. Bei bereits länger bestehenden Krediten ist dieser Ansatz durchaus denkbar, sofern ein Wechsel des Tilgungssatzes im Kreditvertrag vereinbart wurde.

Eine Vollfinanzierung mit langfristiger Zinsbindung
Erreicht ein möglicher Kreditnehmer das Rentenalter in den nächsten 10 bis 15 Jahren, bestehen viele Kreditinstitute auf einer sogenannten Volltilgervariante. Dies bedeutet: mit beginnender Verrentung muss die Immobilie vollständig abbezahlt sein. Eine Anschlussfinanzierung, die sich mit der Rente möglicherweise kaum noch bewältigen lässt, ist dann überflüssig. Aufgrund der niedrigen Zinslage ist dies durchaus finanzierbar, falls der Kreditnehmer eine hohe Tilgungsrate mit seiner Bank vereinbart.

Sondertilgung bei der Immobilienfinanzierung vereinbaren
Wer bereits ein gewisses Alter erreicht hat, dem erschließen sich neue Geldquellen. Eine Abfindung vom Arbeitgeber, eine Erbschaft oder die Auszahlung einer Lebensversicherung sorgen für einen zusätzlichen Geldsegen. Wurde mit der Bank die Möglichkeit zu einer Sondertilgung vereinbart, kann die bestehende Kreditschuld teilweise oder vollständig zurückgeführt werden.

Allerdings akzeptiert eine Bank nur eine ausstehende Lebensversicherung zur Abdeckung eines Immobilienkredits. Ein Erbe oder eine Abfindung werden nicht akzeptiert, da hier keinerlei Planungssicherheit für das Kreditinstitut besteht.

Steht eine Auszahlung einer Lebensversicherung kurz- bis mittelfristig an, kann diese als Sicherheit für die Immobilienfinanzierung abgetreten werden. Die teilweise oder vollständige Tilgung des Kredits durch eine Versicherung muss allerdings bereits vor der Unterschrift des Kreditvertrages vereinbarten worden sein. Alternativ dazu kann auch eine jährliche Sondertilgung des Kredits mit der Bank verhandelt werden. In der Regel handelt es sich dabei um fünf bis zehn Prozent der Kreditsumme als Sondertilgung.

Einen hohen Anteil an Eigenkapital bei der Finanzierung einbringen
Eine weitere Alternative ist das Einbringen eines sehr hohen Eigenkapitalanteils, damit nur ein kleinerer Teil der anfallenden Kosten für die Immobilie finanziert werden muss. Zusätzlich räumen Banken dem Kreditnehmer bessere Zinskonditionen ein, sollte ein größerer Betrag an Eigenkapital in die Finanzierung fließen.

Und abschließend: Eine vollständige Finanzierung einer Immobilie sollte nur dann in Frage kommen, wenn noch weitere Vermögenswerte für das Alter zur Verfügung stehen. Hier – wie auch bei allen Szenarien – lohnt es sich, eine versierte Beratung in Anspruch zu nehmen, um die verschiedenen Modelle zu prüfen.