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Stagnie­rende Neubauten

Eine Baugenehmigung schützt noch lange nicht vor Regen. Oder wie es der Vorsitzende der IG Bau, Robert Feiger, formuliert: „In Wohnungen auf dem Papier kann keiner wohnen.” Fast 750.000 Wohnungen sind in Deutschland aktuell zwar genehmigt, aber nicht im Bau befindlich. Diese Zahl erschüttert, angesichts der wachsenden Wohnungsnot vor allem in den Großstädten.

Doch die Misere kommt nicht von ungefähr. Denn die Baubranche beklagt seit langem einen eklatanten Nachwuchsmangel. Viele Schüler unterhalb des Gymnasiums streben nach dem Abschluss lieber das Abitur und danach ein Studium an, statt eine Ausbildung als Maurer oder Bauarbeiter zu absolvieren und sich dann „on-the-job” weiter zu qualifizieren. Entsprechend groß ist der Nachwuchsmangel und der Baurückstau, der im Übrigen durch die große Zahl an „Babyboomern”, die in Rente gehen, weiter befeuert wird. Die Politik will das Problem lösen, indem sie EU-weit gleiche Lohn- und Arbeitsbedingungen anstrebt. Mit der im Juli in Kraft getretenen neuen Entsenderichtlinie macht sie Druck auf die Arbeitgeber in der EU, verbindliche Regeln, beispielsweise für die Mindestentlohnung der Arbeiter einzuhalten. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes kritisiert jedoch, dass diese Verschärfungen nur ein zahnloser Tiger sind, wenn sie nicht strengstens kontrolliert werden.

Dass den Baugenehmigungen mittelfristig Taten folgen müssen, beweist ein Blick in die Zuzugsstatistiken deutscher Großstädte, die zunehmend vor dem Ansturm vor allem junger Zuzügler kollabieren. Alleine Berlin ist in den letzten acht Jahren einmal um die Größe Bonns, also um knapp 300.000 Einwohner mehr, gewachsen. Damit diese Menschen langfristig ein Zuhause finden können, hilft nur, mehr zu bauen. Es bleibt dabei: Neben der Vereinfachung der Beschäftigungsmöglichkeiten von Arbeitskräften aus der EU sind Baubranche und Politik, aber auch die Schulen gefordert, jungen Menschen eine Arbeit „auf dem Bau” wieder schmackhaft zu machen.

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