| Trends | Philipp Burk

Dämpft der Mieten­deckel die Angebots­vielfalt?

Der Berliner Mietendeckel ist juristisch und politisch umstritten. Neue Zahlen scheinen nun zu belegen, dass der Mietendeckel das Angebot bremst. Denn eine neue Analyse der Experten von Immoscout24 im Auftrag der „Wirtschaftswoche“ zeigt, dass sich mit der Einführung des sogenannten Mietendeckels die Lage auf dem Berliner Mietmarkt weiter verschärft hat.

Eine neue Analyse der Experten von Immoscout24 im Auftrag der „Wirtschaftswoche“ zeigt, dass sich mit der Einführung des sogenannten Mietendeckels die Lage auf dem Berliner Mietmarkt weiter verschärft hat. Wie die Analysten berichten, wurden im Vergleich zum Vorjahr 25% weniger Mietwohnungen auf der Immobilienplattform angeboten. Besonders stark brach das Angebot bei Immobilien ein, die vor 2014 gebaut wurden und für die somit der Mietendeckel des rot-rot-grünen Senats gilt. Weil im Vergleich zum Vorjahr nur 24,4 Prozent mehr Wohnungen gebaut wurden, bleibt unterm Strich ein fettes Minus. Und die Frage, ob der Mietendeckel tatsächlich dem Ziel nützt, mehr günstigen Wohnraum zu schaffen. 

Denn zugleich scheinen sich viele Besitzer der vom Mietendeckel betroffenen Wohnungen von ihrem Eigentum trennen zu wollen. Die Analysten verzeichnen bei den Angeboten dieser Immobilienklasse ein Plus von 38,8 Prozent und folgern, dass dies mit den durch den Mietendeckel dauerhaft niedrigen Einnahmen zusammenhängen könnte. Denn sie konnten ebenso nachweisen, dass die Angebotsmieten für Wohnungen, die vor 2014 gebaut wurden, um acht Prozent gesunken sind. Die Pandemie spielt dabei keine Rolle, denn ein Vergleich mit den anderen deutschen Großstädten Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Köln, München und Stuttgart zeigt dort das exakte Gegenteil. Die Annahme, dass dies darauf zurückzuführen sein dürfte, dass in diesen Städten kein Mietendeckel existiert, scheint, bei aller kritischen Betrachtung, wohl nicht aus der Luft gegriffen.  

Dass der hoch umstrittene Mietendeckel zu anderen Ergebnissen führt als den gewünschten, ist auch von unterschiedlichen Wirtschaftsexperten immer wieder bestätigt worden. Natürlich ist der Wohnungsmangel in Berlin auch für die Kritiker keine Fantasie, sondern ein tagtägliches Problem für viele der mittlerweile fast vier Millionen Einwohner. Doch eine künstliche Lenkung des Marktes und die Verknappung des Angebots als Konsequenz dieser Strategie setzen wohl kaum Anreize für Investoren, in Berlin mehr zu bauen. Das dürfte wohl auch erklären, warum sich bisher kein anderes Bundesland zu einem solchen Schritt entscheiden konnte. 

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