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Beein­flusst Corona, wie wir in Zukunft bauen und wohnen?

In Zeiten von Lockdown, Homeoffice und Homeschooling bekommen die eigenen vier Wände plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Wenn sich nahezu das gesamte Leben zuhause abspielt, soll das Eigenheim auch entsprechend dafür ausgestattet und ein Ort zum Wohlfühlen sein. Wir haben einige Trends gesammelt, die nach Corona beim Hausbau wichtig werden könnten.

Das eigene Haus bildete schon immer den Mittelpunkt des Lebens – den Ort, an dem die Geschichten des Alltags spielen, an dem sich seine Bewohner geborgen und sicher fühlen. Die Corona-Pandemie macht jedoch deutlich, dass das Zuhause der Zukunft auch noch andere Ansprüche erfüllen soll. Ob es um das Arbeiten oder Lernen von zuhause aus geht, um private Rückzugsmöglichkeiten oder den eigenen Spielplatz im Garten – beim Hausbau werden sich wahrscheinlich viele Trends der letzten Jahre verstärken.   

Raus aufs Land 

Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich ab, dass nach einer Phase starken Zuzugs in die Großstädte wieder mehr Deutsche in den Speckgürtel ausweichen. Auf die Reurbanisierung folgt die Suburbanisierung – vor allem getrieben von den steigenden Mieten und Kaufpreisen in den Zentren. Während die Zahl der Quadratmeter, die jeder Deutsche durchschnittlich zur Verfügung hat, seit Jahren steigt, wohnen Großstädter heute auf weniger Raum als noch vor ein paar Jahren. Zudem bieten Vorstadtgebiete das Beste aus zwei Welten: eine gute Infrastruktur und eine ruhige Lage fernab der Hektik, des Lärms und der Abgase der Stadt. Doch auch im Speckgürtel werden die Grundstücke immer kleiner und teurer. In Zukunft könnten deshalb ländliche Regionen wieder stärker gefragt sein. Hier ist Baugrund vergleichsweise günstig und fällt deutlich größer aus.   

Spaß, Spiel und Natur im Garten 

Wenn Parks, Sportvereine und Spielplätze geschlossen sind, wird der heimische Garten als Ort zum Austoben und Erholen wichtig. Er soll möglichst kinderfreundlich und naturnah gestaltet sein, damit sich auch Bienen, Igel und Co. wohlfühlen. Lebendiges Grün statt trostlosem Kies und Schotter lautet die Devise – gerne auch mit Pool, Trampolin und Hängematte. Wer all diese Ideen verwirklichen möchte, der braucht vor allem eines: ausreichend Platz. Deshalb werden Bauherren zukünftig wahrscheinlich mehr darauf achten, dass es einen Garten gibt und dass dieser groß genug ausfällt.   

Willkommen im Smart Home 

Wenn man schon viel Zeit im eigenen Zuhause verbringt, dann doch bitte mit größtmöglichem Komfort. Immer mehr Bauherren werden daher auf Smart-Home-Systeme setzen, die ihnen viele Handgriffe abnehmen. Als besonders praktisch erweisen sich beispielsweise Sprachassistenten: Per Zuruf lassen sich nicht nur das Musiksystem oder die Rollläden steuern, sondern auch gleich Bestellungen an den Supermarkt schicken, sodass man gar nicht erst aus dem Haus muss. Auch für das Homeoffice und das häusliche Klassenzimmer hat eine intelligente Hausvernetzung Vorteile. So sorgt sie automatisch für die richtigen Arbeitsbedingungen, indem Licht, Raumtemperatur und Lüftung gesteuert werden.  

Zurück zur Kleinteiligkeit 

Offenes Wohnen beherrschte in den letzten Jahren die Wohntrends. Mehrere kleine Räume schienen nicht nur altmodisch, sie verbrauchen auch mehr Fläche. Und an Fläche muss man sparen, wenn die Quadratmeterpreise immer weiter steigen. Das Kostenargument gilt zwar immer noch, trotzdem werden sich viele mehr Rückzugsmöglichkeiten wünschen. Es ist nun mal auch ein großer Vorteil, Türen hinter sich schließen zu können. Für viele Bauherren wird beispielsweise das in sich geschlossene Arbeitszimmer zum Standardprogramm gehören. Aber auch ein separater Wellness- und Fitnessbereich oder ein Hobbyraum sind eine Überlegung wert. Hinzu kommen eine Speisekammer für Vorräte sowie ein Wohnkeller und ein ausgebauter Dachboden für zusätzliche Platzreserven.  

Die Mischung macht’s  

Wohnen und Arbeiten zu verbinden, wird eine der größten Aufgaben für zukünftige Architekten sein. Das meint auch Stephan Schütz von Gerkan, Marg und Partner (gmp), der die Niederlassungen in Berlin, Peking und Shenzen leitet: „Ich glaube, wir brauchen weniger monofunktionale Architektur wie reine Wohnhäuser am Rande der Stadt und glitzernde Bürohäuser mitten in der Stadt. Wir müssen vielmehr zu einer mischfunktionalen Architektur kommen, die es uns erlaubt, von zu Hause aus zu arbeiten und in unserer Wohnung ein Büro betreiben zu können. Dadurch würden viel weniger Verkehr und durchmischtere Stadtquartiere entstehen. Ich sehe das als Chance in der Krise.“ 

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