Achtung: Immobi­li­en­blase droht!

Die Schweizer Bank UBS untersucht jährlich das Risiko einer Immobilienblase in 25 Metropolen rund um den Globus. Die Rangliste im „UBS Global Real Estate Bubble Index“ wird 2020 von zwei deutschen Städten angeführt. Hier lesen Sie, um welche Städte es sich handelt und warum Investoren jetzt vorsichtig sein sollten.

Wie bereits im Vorjahr auf Platz 1: München
In München heizen die starke lokale Wirtschaft sowie fehlender Wohnraum bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum den Immobilienmarkt nach wie vor an. Für den Kauf einer 60-Quadratmeter-Wohnung nahe der Innenstadt müsse laut dem Bericht ein qualifizierter Beschäftigter aus dem Dienstleistungssektor derzeit rund neun Jahreseinkommen aufbringen.

Rasanter Aufstieg auf Platz 2: Frankfurt am Main
Frankfurt hat im Vergleich zur Vorjahres-Erhebung Toronto und Hongkong hinter sich gelassen und belegt nun den zweiten Platz. Als Grund für den Aufstieg verweisen die Autoren auf die Preisentwicklung am Immobilienmarkt. Die Mieten für Wohnraum hätten sich seit 2010 um fast 40 Prozent verteuert, die Wohnungspreise innerhalb eines Jahrzehnts gar verdoppelt. Allein 2019 seien die inflationsbereinigten Preise um acht Prozent gestiegen. Da zudem viel im oberen Marktsegment gebaut werde, heize sich die Immobilienpreisinflation weiter an. Frankfurt profitiere zwar von einem soliden Wachstum an Wirtschaft und Beschäftigung, aber die Bevölkerung sei durch Geburten und Migration rapide angestiegen.
 
Corona noch nicht eingepreist?
Die Corona-Krise könnte zum Härtetest werden, ob die hohen Preise in beiden Städten tatsächlich noch gerechtfertigt sind. Die UBS-Experten bescheinigen Deutschland zwar, auch dank staatlicher Hilfsprogramme ganz gut durch die Pandemie gekommen zu sein. Doch dies könne sich ändern. „Sinkende Einkommen oder vermehrte Arbeit im Homeoffice könnten die Nachfrage nach Zentrumslagen langfristig schwächen“, sagt Tobias Vogel vom UBS-Vermögensmanagement. „Bereits jetzt hoch verschuldete oder wirtschaftlich schwächere Städte werden der Konjunkturkrise zudem mit Sparmaßnahmen begegnen müssen, was sich zusätzlich negativ auf die Immobilienpreise auswirken kann.“
 
Investoren sollten vorsichtig sein
Nicht nur, dass die Immobilienpreise der aktuellen Corona-Entwicklung hinterherhinken und die langfristigen Effekte noch nicht reflektieren. Maximilian Kunkel, UBS-Chefanlagestratege in Deutschland, sieht noch einen weiteren Grund, warum Investoren derzeit Vorsicht walten lassen sollten: „Da in vielen Städten die Kaufpreise für Wohnungen im Verhältnis zu den Mieten bereits sehr hoch sind, sind die Möglichkeiten der Kapitalerträge durch Vermietung der Objekte begrenzt.“ Um den Kaufpreis einer 60-Quadratmeter großen Wohnung in München zu amortisieren, müsste diese 39 Jahre lang vermietet werden – länger als in jeder anderen Metropole.
 

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