| Philipp Burk

Steigende Baukosten: Normen auf dem Prüfstand

DIN, EN, ISO: Beim Hausbau wimmelt es nur so vor Normen. Insgesamt gibt es über 3.700 baurelevante Standards – und damit deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Im selben Zeitraum stiegen auch die Baukosten stark. Ein Zufall? Wir zeigen Ihnen die Entwicklungen im Detail.

 

Auf dem Bau sorgen sie für einheitliche technische Standards. Dabei sind Normen (DIN, EN, ISO) Bauprofis schon länger ein Dorn im Auge. Bauunternehmen und Investoren beschweren sich über die Flut an neuen Vorgaben. Und auch die Baukostensenkungskommission zweifelte bereits in einem Bericht an der Verhältnismäßigkeit. „Es wird vermutet, dass bei der Überarbeitung von Normen – in einzelnen Fällen – zu hohe Standards festgeschrieben werden, die das Bauen verteuern", heißt es dort. 

Fast 20 Prozent mehr Baunormen

Die Flut an Normen erhöht die Baukosten – eine Ansicht, die auch die Bundesregierung teilt. Auf Anfrage der FDP zieht sie Bilanz: 2018 gab es 3.754 baurelevante Normen – und damit 602 mehr als noch vor zehn Jahren. Ein Plus von über 19 Prozent. „Standards und Normen können auch zu Kostenfolgen im Baubereich führen", schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort dazu. Als weitere Preistreiber nennt sie die steigenden Grunderwerbskosten, die Knappheit von Handwerker- und Bauleistungen sowie schärfere Gesetze. Der Bund ließ zusätzlich ein Gutachten zur Kostenrelevanz erstellen. Hier wurden drei Normen genauer untersucht. Allerdings habe das Ergebnis kein einheitliches Bild gezeigt.

Baukosten in Deutschland deutlich gestiegen

Deutlich genauer: die Entwicklung der Baukosten. Die erfasst das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) anhand sogenannter Basispunkte. Von 2008 bis 2017 stiegen die Punkte von 89,5 auf 104,5. Damit entwickelten sich die Baukosten in Deutschland höher als im gesamten Euroraum: Dort stiegen die Ausgaben von 91,9 Punkte auf 103 Punkte. Seit 2015 sind die Baukosten nur in Lettland, Litauen, Ungarn, Rumänien und Schweden höher gestiegen als in Deutschland.

Pilotprojekt startet 2019

Und wie geht es weiter mit den Baunormen und -kosten? Um die finanziellen Auswirkungen von Baunormen besser einschätzen zu können, möchte die Bundesregierung eine Folgekostenabschätzung einführen. Aktueller Stand: im Aufbau. Bund und Länder stimmen derzeit darüber ab, ob eine unabhängige Stelle zur Kostenbewertung von Baunormen eingerichtet wird. Noch in diesem Jahr soll aber ein Pilotprojekt an den Start gehen, das Folgekosten von Baunormen prüft. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
 

Verwandte Artikel. Das könnte Sie auch interessieren.