Statis­ti­sches Bundesamt: Zahl der Makler steigt

Als das Bestellerprinzip eingeführt wurde, rechnete manch ein Branchenprofi mit weniger Immobilienmaklern auf dem Markt. Doch es kam ganz anders: Das Gegenteil ist eingetreten. Wie es heute um die Vermittler steht – und was den Beruf so attraktiv macht…

Bei Mietimmobilien gilt: Derjenige, der den Makler beauftragt, soll ihn bezahlen. Die Einführung des Bestellerprinzips sorgte 2015 für Aufruhr in der Branche. Die Prognose war düster. Makler müssten um ihre Existenz fürchten, hieß es. Denn Vermieter würden in Zukunft selbst nach Mietern suchen, statt einen Vermittler zu beauftragen. Was hat sich seitdem getan?

Mittlerweile gibt es deutlich mehr Makler als früher. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Seit 2011 ist die Anzahl an Immobilienvermittlern in Deutschland stetig gestiegen. Gab es vor acht Jahren noch 44.000 Makler, waren es bis zum letzten Stand der Erfassung in 2017 über 70.000. Auch das Bestellerprinzip stoppte diesen Trend nicht. Seit der Einführung sind es 11.000 Makler mehr – ein Plus von fast 19 Prozent. Und auch die Umsätze der Branche entwickelten sich seit 2015 positiv. Sie stiegen um gut 26 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.

Wechsel von Miet- zu Kaufobjekten

Eine überraschende Entwicklung? Nicht für das Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln. Der Grund: Mietimmobilien würden nur einen Bruchteil der Einnahmen eines Maklers ausmachen. Lukrativer seien Kaufimmobilien. Ein höherer fünfstelliger Betrag sei durch eine einzige Transaktion möglich.

Dennoch habe sich mit der Einführung des Bestellerprinzips etwas verändert. Die meisten Vermittler hätten ihr Geschäftsmodell auf Kaufimmobilien umgestellt. Zu 90 Prozent würden sich Makler heute auf den Kauf und Verkauf von Immobilien konzentrieren. In diesem Segment gilt das Bestellerprinzip derzeit nicht. Und die steigenden Immobilienpreise haben für Vermittler einen positiven Nebeneffekt: Höhere Provisionen beim Abschluss eines Kaufvertrags. Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Makler stehen bekanntlich vor der gleichen Herausforderung wie Käufer: Attraktive Objekte sind Mangelware. Gerade in Großstädten. 

Große Immobilienvertriebe mit Vorteilen

Geringes Angebot, hohe Nachfrage – das sorgt für Konkurrenz. Und da gilt: Die Besten spielen ganz vorne mit. Immobilienvermittler, die sich einen Namen gemacht und etabliert haben, sind im Vorteil. Quereinsteiger oder Ein-Mann-Makler haben es schwerer.

Und gerade die Ein-Mann-Vermittler könnten den Ausschlag bei den Zahlen des Statistischen Bundesamtes gegeben haben. Darauf weist der IVD hin. Laut eigener Daten des Vereins seien in Deutschland nur 12.000 Immobilienmakler in Vollzeit tätig. Alle anderen hätten noch einen anderen Beruf oder wenig Erfolg bei der Vermittlung. Vor 2014 wurden nur Makler in die Statistik des Bundesamtes gezählt, die mindestens 17.500 Euro pro Jahr verdienen. Danach sind auch Vermittler erfasst worden, deren Einkommen geringer ist. Diese geänderte Berechnungsgrundlage könnte erklären, warum die Zahlen des Statistischen Bundesamtes eine vermeintliche Makler-Welle aufzeigen.

Gesetzesentwurf für Kaufimmobilien

Was den Konkurrenzkampf zwischen den Maklern bald noch einmal verschärfen könnte: Ein Gesetzesentwurf, auf den sich die Koalition in Berlin geeinigt hat. Der besagt, dass Käufer und Verkäufer von Immobilien sich die Maklerprovision teilen sollen. Zwar sei eine Teilung der Provision schon heute in 75 Prozent der Regionen üblich, wie der IVD erklärt. Doch die Regierung will das gesetzlich verankern. Derzeit steckt der Gesetzesentwurf im parlamentarischen Verfahren. Der Zeitplan sieht vor, dass das Gesetz im nächsten Frühjahr verabschiedet wird und die Neuregelung im Herbst 2020 in Kraft treten könnte. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

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