| Jörg Weisenberger

Mehrfa­mi­li­en­fer­tig­häuser gegen die Wohnungsnot

Einfamilienhäuser in Fertigbauweise sind längst gang und gäbe. Jetzt soll die serielle und modulare Bauweise auch auf Mehrfamilienhäuser angewandt werden. Der GdW hat dazu ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet. Die Lösung für die Wohnungsnot in Deutschland?

 

Kurze Bauzeit und geringe Baukosten – Fertighäuser sind für viele angehende Eigenheimbesitzer eine attraktive Alternative. Jetzt soll dieses Konzept im großen Stil auf Mehrfamilienhäuser ausgeweitet werden. Das Ziel: Schnell mehr Wohnungen zu bezahlbaren Mieten schaffen. Initiator des Vorhabens ist der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Wie das Ganze umgesetzt werden soll und welche Herausforderungen es noch zu meistern gilt – wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst.

Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen

Zusammen mit dem Bundesministerium, dem Hauptverband der Bauindustrie und der Bundesarchitektenkammer präsentierte der GdW Ende Mai 2018 sein Konzept. Insgesamt sieht es neun Typen zum seriellen und modularen Bauen für mehrgeschossige Neubauten vor. Sie sind das Ergebnis eines europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbs. Mit ihren Angeboten gingen nun neun Teilnehmer einen Rahmenvertrag mit dem GdW ein. Bauherren könnten so aus den neun Wohnungsbaukonzepten wählen, ohne jeden Bau neu auszuschreiben und zu planen. Zudem profitieren sie bei den Fertighäusern von industriell hergestellten Bauteilen. Das bedeutet: Wohnungen können viel schneller gebaut werden. Das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) hält sogar eine Bauzeit von nur sechs Monaten für realistisch.

Doch nicht nur die Bauzeit sinkt erheblich. Es fallen auch weniger Kosten an. Insgesamt rechnet man mit Ersparnissen von mindestens zehn Prozent im Vergleich zum Marktdurchschnitt.

Kosten senken und mehr Wohnraum schaffen

Schneller und günstiger – das kommt nicht nur den Bauherren, sondern auch Wohnungssuchenden zugute. Durch Engpässe beim Wohnungsangebot und steigende Mieten können sich immer weniger Menschen verfügbare Wohnungen leisten. Besonders in den Städten ist die Wohnungsnot spürbar.

Die Ursachen liegen auf der Hand: lange Bauzeiten und hohe Baukosten. Während Einkommen und allgemeine Lebenshaltungskosten seit dem Jahr 2000 um 28 Prozent gestiegen sind, legten die Baukosten ganze 50 Prozent zu. Eine Schere, die sich besonders bei Neubauten bemerkbar macht. Diese kosten heute bis zu 4.500 Euro pro Quadratmeter. Dadurch sind Nettokaltmieten von zehn Euro oder mehr pro Quadratmeter keine Seltenheit.

Nun sollen die neuen seriellen und modularen Baukonzepte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten. Hier könnten Gebäude für nur 2.000 bis 3.200 Euro pro Quadratmeter entstehen. Für die Nettokaltmieten bedeutet das: Statt zehn Euro und mehr sind zwischen acht und neun Euro pro Quadratmeter möglich.

Attraktive Fertigbauweise

Vieles spricht also für die mehrgeschossigen Fertighäuser. Aber wie sieht es mit der Optik aus? Gehen Bauzeit- und Kostenersparnis zu Lasten des Aussehens? Ganz im Gegenteil, betont der GdW: Eine ansprechende Architektur sei Voraussetzung für das Konzept und den Rahmenvertrag gewesen.

Die Fertighäuser seien mit raumhoher Verglasung, abwechslungsreichen Fassaden und flächeneffizienten Wohnungsgrundrissen ausgestattet. Auch ausreichende Belichtung für einen hohen Wohnkomfort und optimale Energieeffizienz seien Teil der seriellen und modularen Bauweise. Zusätzlich werde ein Drittel der Wohnungen barrierefrei sein.

Herausforderung für Kommunen und Länder

Wie und wann das Pilotprojekt umgesetzt wird, hängt maßgeblich von den Kommunen und Ländern ab. So müssen Städte und Gemeinden zunächst einmal Bauland bereitstellen. Doch damit nicht genug. „Wir brauchen von den Bundesländern eine Typenbaugenehmigung für die Gebäude. Es kann nicht sein, dass immer alles neu geprüft wird“, findet der GdW. Die Bundesländer müssten zudem den Wohnungsneubau vereinfachen. Aktuell gibt es 16 Landesbauordnungen. Eine Angleichung sei laut Bundesministerium wünschenswert. Bisher zeigen sich die Länder jedoch wenig kooperativ. Es gibt also noch einiges zu tun, bevor die Mehrfamilienfertighäuser der Wohnungsnot ein Ende setzen können.

 

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