Jahresauftakt – ein guter Zeitpunkt, um einen Ausblick auf die kommenden Monate zu wagen. Was erwartet die Immobilienbranche? Welche Themen werden Makler, Bauträger und Banken beschäftigen? Und wie steht es um das Branchenevent schlechthin, die EXPO REAL? Ditmar Rompf, Vorstand der Hüttig & Rompf AG, hat uns im Interview seine Einschätzungen gegeben.

Herr Rompf, welche Themen werden Ihrer Meinung nach 2017 für die Immobilienbranche wichtig sein?
„Ein Thema, das in diesem Jahr eine große Rolle spielen wird, ist die Entwicklung der Immobilienpreise. Unserem Eindruck nach werden besonders in den Metropolen die Preise für Häuser und Wohnungen weiter steigen. Gerade dort sind freie Immobilien und Baugrundstücke jedoch rar. Deshalb erwarten wir, dass Käufer auf die B-Lagen ausweichen, also in die Randgebiete der Metropolen. So werden auch diese Gebiete wesentlich begehrter. Folglich gehen auch hier die Preise weiter nach oben. Ein anderes Thema, das wir für 2017 ganz weit oben auf der Agenda sehen, ist die Regulatorik. So wie es für Finanzierungsberater 2016 die Wohnimmobilienkreditrichtlinie gab, wird in diesem Jahr ein Sachkundenachweis für Immobilienmakler eingeführt. Wie sich diese neue Regelung auf die Branche auswirkt, wird die Immobilienwirtschaft 2017 beschäftigen.“

Was passiert 2017 mit den Zinsen?
„Niedrige Zinsen sind ein Treiber in Richtung Immobilien. Liegt das Zinsniveau niedrig, ist es für viele Privatpersonen und Investoren lukrativ, Immobilien zu kaufen. Als Folge gehen die Preise in die Höhe. Für 2017 erwarten wir, dass die Zinsen leicht steigen. Hintergrund ist der amerikanische Markt. Seit der Wahl liegt das Zinsniveau dort höher. Der europäische Markt kann sich davon nicht abkoppeln. Deshalb werden die Zinsen auch hier steigen. Aber moderat. Plötzliche Sprünge sehen wir nicht.“

Es ist fast ein Jahr vergangen, seit die Wohnimmobilienkreditrichtlinie eingeführt wurde. Ihre Bilanz?
„Die Regelung hat am Markt deutliche Spuren hinterlassen. Uns als Immobilienfinanzierer beschäftigt das Thema permanent. Dabei haben wir auch immer unsere Partnerbanken im Blick. Denn das Gesetz ist nicht klar formuliert und lässt viel Raum für Interpretation. In der ersten Zeit nach Einführung der Richtlinie mussten viele Kreditinstitute deshalb erst einmal prüfen, wie man das Gesetz für sich selbst umsetzen kann. Dadurch gab es beim Start der Regelung ein kleines Loch, was die Baufinanzierungszusagen anging. Mittlerweile hat sich die Situation aber entschärft. Die Banken haben sich angeglichen und alles läuft seinen gewohnten Gang. Unsere Baufinanzierungsberater merken in ihrem Berufsalltag lediglich, dass die Prozesse insgesamt aufwendiger geworden sind. Zum Beispiel müssen nun auch die Lebenszyklen der Antragssteller, wie die Rentenzeit, in die Betrachtungen einbezogen werden. Dadurch ist die Umsetzung einiger Finanzierungen schwieriger geworden.“

In der Branche wird der Ruf nach einer Nachbesserung laut. Wie ist Ihre Einschätzung, wird bei der Richtlinie 2017 nachgebessert?
„Diese Diskussionen sind mir bekannt. Im Vordergrund steht dabei die Kritik, dass die Regelung ältere Personen benachteiligt. Ob es eine Nachbesserung geben wird, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es hängt wohl davon ab, ob noch mehr negative Stimmen laut werden. Derzeit wird noch von Einzelfällen gesprochen. Viele Kreditinstitute berichten, dass sie von etwaigen Benachteiligungen nichts bemerken. Sollte das Gesetz allerdings wirklich überarbeitet werden, ist die Befürchtung vieler Experten, dass der Gesetzgeber die Richtlinie in einigen Punkten eher negativer auslegen könnte, als sie zu verbessern.“

Die Bundesregierung plant eine Gesetzesänderung für die strengere Vergabe von Wohnimmobilienkrediten, um einer möglichen Immobilienblase vorzusorgen. Sehen Sie aktuell die Gefahr einer Immobilienblase?
„Ich denke, dass in Deutschland derzeit keine Gefahr einer Immobilienblase besteht. Die Situation gestaltet sich in einigen europäischen Ländern aber anders, deshalb die geplante Gesetzesänderung. Europäer wollen möglichst gleichförmig agieren, damit sie nach außen als Einheit wahrgenommen werden. Deswegen rechnen wir damit, dass der Gesetzesentwurf wahrscheinlich auch in Deutschland umgesetzt wird. Aber nur, um der BaFin bestimmte Maßnahmen an die Hand zu geben, wenn eine Immobilienblase droht. Aus unserer Sicht sieht es aber momentan nicht danach aus, dass die Aufsicht akuten Handlungsbedarf hat.“

Nach all den Prognosen mal ein kleiner Rückblick auf 2016: Wie hat Hüttig & Rompf die EXPO REAL erlebt?
„Für uns ist die EXPO REAL ein sehr wichtiger Termin. Der wichtigste überhaupt, von unseren internen Veranstaltungen abgesehen. Im letzten Jahr waren wir mit über 20 Mitarbeitern vor Ort und haben viele interessante Gespräche führen können. Die Messe ist für uns von großer Bedeutung, weil hier alle Immobilienentscheider Deutschlands zusammenkommen. Es ist ein riesiger Markt für Bauträger, Projektentwickler und Investoren. Für uns als Immobilienfinanzierer ist das eine gute Chance, um ganz ohne Termindruck mit den Entscheidern in Kontakt zu treten. Im Anschluss an die EXPO REAL werden diese Treffen dann wiederholt. Es entscheidet sich, welche Potenziale es für die zukünftige Zusammenarbeit gibt. Die EXPO REAL beschäftigt uns deshalb im Nachgang mindestens noch ein halbes Jahr.“

Wagen wir einen Ausblick auf die nächste EXPO REAL. Was erwarten Sie 2017 vom großen Branchentreffen?
„Zum einen wollen wir unsere Präsenz gerne weiter ausbauen. 2016 waren wir mit Frankfurt am Main und dem IVD bereits an zwei Gemeinschaftsständen vertreten. In diesem Jahr möchten wir gerne an einem weiteren Stand, zum Beispiel der Region Berlin, Hamburg oder Nordrhein-Westfalen, präsent sein und so noch mehr Immobilienvertriebe direkt erreichen. Zum anderen wollen wir aber auch unsere bereits bestehenden Kontakte intensivieren und noch enger mit unseren Partnern zusammenarbeiten.“

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