| Philipp Burk

In ländlichen Gebieten entstehen die meisten Wohnungen

Neue Wohnungen braucht das Land. Oder besser gesagt: die Stadt. Denn anders als in ländlichen Gebieten herrscht in den Großstädten auch 2017 eine Neubauflaute. Das ergab eine aktuelle Datenauswertung. Aber welche Orte liegen im Ranking vorne? Und wie kann in Ballungszentren die Aufholjagd gelingen? Alles dazu hier.

 

Im deutschlandweiten Wohnungscheck haben die ländlichen Regionen die Nase vorne. Zu diesem Ergebnis kam nun das Statistische Bundesamt. Es wertete alle Neubauzahlen aus dem Jahr 2017 aus und setzte sie ins Verhältnis zur Einwohnerzahl der Gemeinden. Demnach wurden bundesweit rund 285.000 Wohnungen fertiggestellt. Durchschnittlich 3,4 Immobilien je 1.000 Einwohner. Spitzenreiter waren dabei die ländlichen Regionen. 

Viele Wohnungen entstehen außerhalb von Ballungszentren

Der Wohnungsbau boomt. Aber nicht überall. Gemessen an der Bevölkerung wurden 2017 vor allem im Emsland, im südlichen Ostfriesland, in der Lüneburger Heide und südlich von Berlin viele neue Wohnung fertiggestellt. Auch Bayern und Baden-Württembergs Südosten profitieren vom Bau-Boom. Doch in Großstädten herrscht nach wie vor Wohnungsknappheit. Gerade an den Orten, wo die Nachfrage besonders hoch ist, kommt man mit dem Angebot nur schwer hinterher. 

Gegenüber der WELT vermutet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DWI), dass die Baulandbereitstellung in den Städten an ihre Grenzen gekommen sei. Gleichzeitig sei die Bezugsgröße – die Einwohnerzahl – in den vergangenen Jahren häufig schneller gestiegen als die Bautätigkeit. Mit anderen Worten bedeutet das: Orte mit zunehmender Einwohnerzahl haben rein statistisch gesehen bereits einen Nachteil. 

Die Gewinner bei den Großen: Berlin-Lichtenberg und Potsdam

Insgesamt wurden 97 Großstädte (Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern) untersucht. Best Performer waren hier Berlin-Lichtenberg und Potsdam mit jeweils neun neuen Wohnungen pro 1.000 Einwohnern. Knapp dahinter liegen Erlangen (8,9) und Ingolstadt (7,8). Mit Berlin-Mitte (6,8) und Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg (6,6) sind zwei weitere Berliner Bezirke in den Top Ten.

Das sieht auf den ersten Blick gut aus. Aber zum Vergleich: Unter den Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern wurden 2017 am meisten Wohnungen in Wentdorf bei Hamburg gebaut. Hier waren es 32,4 Einheiten je 1.000 Einwohner – also 3,6 Mal so viele wie in Lichtenberg und Potsdam.

Mangelndes Bauland und aufwändige Genehmigungsverfahren 

Warum läuft der Wohnungsneubau in Städten nur auf Sparflamme? Als mögliche Ursache nannte der DWI in der WELT mangelndes Bauland. Außerdem werde in einigen Gemeinden das Verwaltungspersonal in Bauämtern abgebaut. Auch das wirke einer Beschleunigung der Bautätigkeit eher entgegen. In diesem Zusammenhang nennt der DWI einen weiteren Störfaktor: das aufwändige Genehmigungsverfahren. Trotz Digitalisierung müssten Baugenehmigungen nach wie vor intensiv geprüft werden. 

Städte stecken voller Potential

Die Lage scheint also weiter angespannt zu bleiben. Aber dennoch: Potential ist da. So fanden es die TU Darmstadt und das Pestel-Institut in Hannover heraus. Demnach könnten auch in Innenstadtlagen künftig viele neue Wohnungen entstehen. Alles, was es dazu brauche, seien flexiblere Bauvorschriften, Baupläne und Genehmigungen.

Die Studie ergab, dass 2,3 bis 2,7 Millionen neue Wohnimmobilien geschaffen werden könnten. Wie? Durch den bekannten Ansatz der Nachverdichtung. Oder etwa indem bestehende Gebäude aufgestockt oder leerstehende Gewerbegebäude umgenutzt werden. Auch ließen sich einige öffentliche Verwaltungsgebäude ideal für neuen Wohnraum nutzen. Eine Trendwende ist also denkbar. Ob die Bautätigkeit in den Städten bald Fahrt aufnimmt? Wir behalten die Entwicklung für Sie im Auge.

 

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