Sie möchten wissen, ob Ihr potentielles Eigenheim energieeffizient ist? Der Energieausweis verrät es Ihnen. Was genau das Dokument aussagt und wie Sie es richtig lesen, haben wir Ihnen zusammengefasst.

Seit 2008 ist er Pflicht: der Energieausweis. Im Mai 2014 wurde die Regelung um das Dokument sogar noch einmal verschärft. Seitdem müssen Eigentümer Kaufinteressenten schon vor der Besichtigung den Ausweis unaufgefordert vorzeigen. Ob die Zahlen auf dem Energieausweis aber gut oder schlecht sind, kann für Laien etwas schwer zu erkennen sein. Gleiches gilt für die Kosten.

Vorsicht: Verbrauchs- oder Bedarfsausweis?

Die erste Hürde beim Lesen: Energieausweis ist nicht gleich Energieausweis. Es gibt nämlich den Verbrauchs- und den Bedarfsausweis. Beide lassen sich nicht miteinander vergleichen. Warum? Den beiden Ausweisen liegen unterschiedliche Messmethoden zu Grunde.

Verbrauchsausweis: Grundlage des Verbrauchsausweises sind die Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre. Sie basieren also auf den tatsächlichen Erfahrungswerten. Die Daten dazu darf der Eigentümer selbst erheben. Allerdings sind die Werte stark abhängig von den Bewohnern der Immobilie und äußeren Einflüssen. Mögen es die Vorbesitzer des Objekts zum Beispiel einfach wärmer oder waren die vergangenen Winter besonders streng, wirkt sich das auf den Energieverbrauch und somit auch auf die Werte des Verbrauchsausweises aus.

Bedarfsausweis: Grundlage des Bedarfsausweises sind die Bausubstanz und die Heizungsanlage. Dazu analysiert ein Fachmann bei einer Vor-Ort-Begehung den energetischen Zustand des Gebäudes. Er berechnet die Energie, die durchschnittlich für die Nutzung von Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung benötigt wird. Dabei sind die Werte unabhängig von Nutzern und äußeren Einflüssen.

Umfassende Informationen auf fünf Seiten

Doch was steht denn nun im Energieausweis? In der Regel umfasst er fünf Seiten. Der Inhalt ist abhängig davon, ob es sich um einen Bedarfs- oder Verbrauchsausweis handelt:

Seite 1: Die erste Seite des Ausweises enthält allgemeine Angaben zum Gebäude (zum Beispiel Adresse, Baujahr Gebäude, Baujahr Anlagentechnik, Anzahl der Wohnungen). Zudem ist vermerkt, ob es sich um einen Verbrauchs- oder Bedarfsausweis handelt. Auf Energieausweisen, die nach dem 1. Oktober 2009 ausgestellt wurden, finden sich auf Seite 1 auch Aussagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zum Lüftungskonzept.

Seite 2: Der Inhalt der zweiten Seite ist davon abhängig, ob es sich um einen Verbrauchs- oder Bedarfsausweis handelt. Bei einem Verbrauchsausweis ist die Seite 2 leer. Bei einem Bedarfsausweis hingegen stehen auf Seite 2 die Kennwerte für den Energiebedarf. Die Kennwerte geben den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter (m2) Nutzfläche an – kurz: kWh/(m2a). Je höher der Kennwert, desto schlechter ist der energetische Zustand des Gebäudes. Zudem sind Vergleichswerte angegeben, mit denen die Immobilie mit durchschnittlichen Gebäuden verglichen werden kann.

Seite 3: Auch die dritte Seite ist davon abhängig, ob es sich um einen Verbrauchs- oder Bedarfsausweis handelt. Dieses Mal ist es umgekehrt. Bei einem Bedarfsausweis ist Seite 3 leer. Bei einem Verbrauchsausweis stehen auf Seite 3 die Kennwerte für den Energieverbrauch.

Seite 4: Auf der vierten Seite stehen in knapper Form kostengünstige Vorschläge zur Verbesserung der energetischen Eigenschaften des Gebäudes. Aber nur, wenn Verbesserungen möglich sind. Sind keine Modernisierungs-Empfehlungen möglich, beispielsweise, weil das Gebäude bereits umfassend saniert wurde, ist das zu vermerken. Wichtig: Der Energieausweis verpflichtet den Eigentümer nicht, die Vorschläge zur Verbesserung der energetischen Eigenschaften umzusetzen oder sonstige Modernisierungen vorzunehmen. Er dokumentiert lediglich den aktuellen Immobilien-Zustand.

Seite 5: Die fünfte Seite enthält abschließend einige Erläuterungen zu den Angaben im Ausweis sowie den Berechnungsverfahren.

Energieeffizienzklasse für den schnellen Vergleich

Mit Energieeffizienzklassen lassen sich Immobilien schnell miteinander vergleichen. Allerdings enthält nicht jeder Ausweis die Skala. Nur Energieausweise, die seit Mai 2014 ausgestellt wurden, sind in Effizienzklassen (A+ bis H) eingeteilt. Für Dokumente, die vorher ausgestellt wurden, gibt es diese Klassifizierung nicht.

Doch was bedeuten die einzelnen Effizienzklassen? Die Klassen A und B entsprechen dem derzeitigen Neubaustandard. Je weiter hinten im Alphabet die Effizienzklasse liegt, desto schlechter ist der energetische Immobilien-Zustand. Die Effizienzklasse richtet sich nach den auf Seite 2 oder 3 angegebenen Kennwerten. Zur Orientierung: Ein Wohngebäude mit einem durchschnittlichen Verbrauch liegt in der Klasse E.

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