| Jörg Weisenberger

Deutschland baut am Bedarf vorbei

In Deutschland wird gebaut – allerdings unterschiedlich viel. Im rheinland-pfälzischen Speyer entsteht beispielsweise nur ein Fünftel des benötigten Wohnraums. Ganz anders in Bayern: In Rhön-Grabfeld wurden viermal so viele Wohnungen gebaut, als eigentlich benötigt. Wir kennen die wichtigsten Neubau-Details.

 

Neuen Wohnraum braucht das Land. Und so wird in der gesamten Republik fleißig gebaut. Doch während im ländlichen Raum teilweise zu viele Neubauten entstehen, sind sie andernorts weiterhin Mangelware. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Grundlage der Analyse war ein Vergleich zwischen der Anzahl an Wohnungen, die in den letzten drei Jahren fertiggestellt wurden, und dem Bedarf an Wohnraum. Diesen schätzen die Autoren auf Basis von Faktoren wie zum Beispiel Bevölkerungsentwicklung und Leerstände.

Hier entstehen die meisten Neubauten

Laut der Studie unterscheidet sich das Verhältnis von gebauten zu benötigten Wohnungen teils enorm. Im Landkreis Speyer liegt es zum Beispiel bei 21 Prozent. Der Landkreis Rhön-Grabfeld (401%) baut hingegen deutlich über dem Bedarf. Ähnlich hohe Werte haben auch die Landkreise Helmstedt (Niedersachsen, 331%), Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz, 303%), Höxter (Nordrhein-Westfalen, 283%) und Nordfriesland (Schleswig-Holstein, 232%). In 69 der 401 betrachteten Landkreise und kreisfreien Städte wurde laut IW bereits mehr als 50 Prozent über dem Bedarf gebaut. In 31 von ihnen liegt die Quote sogar über 200 Prozent.

In Köln fehlt noch mehr als die Hälfte an Wohnungen

Dagegen gibt es aber auch 30 Landkreise und kreisfreie Städte, in denen der Bedarf noch nicht einmal zur Hälfte gedeckt wurde. Prominente Beispiele dafür sind der Stadtkreis Karlsruhe (48%), Köln (46%), die Stadt Leipzig (45%) und Braunschweig (35%). Der Grund für das niedrige Neubauverhältnis sei laut IW der hohe Zuzug. Aber auch das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft seien dafür verantwortlich.

Deutliche Unterschiede in den A-Städten

Und wie sieht es bei den Top 7-Städten aus? Neben Köln haben auch die anderen sechs Metropolen noch nicht ihr Bedarfs-Soll erfüllt. Stuttgart ist mit 56 Prozent Schlusslicht in Sachen Neubau. Etwas besser stehen München (67%), Berlin (73%) und Frankfurt am Main (78%) da. In Düsseldorf und Hamburg sieht es bisher am besten aus. Beide Großstädte haben 86 Prozent ihres benötigten Wohnraums gebaut. Dennoch bestehe in den sieben Metropolen ein großer Wohnungsmangel, berichten die Wirtschaftsexperten. Daher heißt es weiter: bauen, bauen, bauen.
 

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