Der Trend zum Eigentum

In Deutschland wird traditionell eher gemietet als gekauft. Doch die günstige Zinssituation könnte eine Trendwende bewirken.

Deutschland ist ein Land der Mieter. Fast schon traditionell belegt Deutschland die hinteren Plätze, wenn es darum geht, die europäische Rangliste für Eigenheimbesitzer aufzuzeigen. Nach der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamts (Destatis) besitzen nicht einmal die Hälfte, nämlich rund 46 % der Deutschen Wohneigentum. Ein Land wie Spanien bringt es auf 85 Prozent. Nur die Schweiz unterbietet Deutschland in Europa mit einer Quote von 35%.

Doch auch Traditionen sind nicht in Stein gemeißelt, es bewegt sich etwas in der Immobilienbranche. Eine aktuelle Studie der BHW Bausparkasse belegt den Trend hin zu mehr Eigentum. Demnach planen 13% der Deutschen für das Jahr 2014 den Neubau oder den Kauf einer Immobilie. Zu den größten Interessenten bei Häusern gehören dabei Familien mit Kindern. Das verwundert nicht, denn gerade die Phase der Familienbildung wird stärker zur Eigentumsbildung genutzt.

Begünstigt wird die derzeitige Entwicklung hin zu Wohneigentum von zwei wesentlichen Treibern: Explodierenden Mieten und den stabil niedrigen Zinsen. Vor allem in Ballungsgebieten schnellen die Mietpreise in die Höhe. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Zinsen auch 2014 auf dem niedrigen Niveau verharren. Das spielt Kreditnehmern in die Hände. Anleger anderer Asset-Klassen haben es – gerade wegen der niedrigen Zinsen – derzeit ohnehin schwer, eine zufriedenstellende Rendite zu erwirtschaften. Ein Eigenheim in attraktiver Lage kann auch unter diesem Gesichtspunkt eine echte Wertanlage sein.

Auch deswegen richtet sich das Interesse von Immobilienerwerben längst nicht mehr nur in Richtung Häuser, sondern auch in Richtung der Eigentumswohnungen. Das Haus im Grünen ist ohnehin nicht mehr für alle die ideale Vorstellung, wenn sie ihren Traum vom Eigenheim träumen. Das kann die Immobilienbranche freuen, denn in Sachen Wohnungsbau gibt es in Deutschland einen klaren Nachholbedarf.

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