Was ist nur los mit dem Bauzins? Erst stieg er kurz, dann fiel er wieder. Aktuell hält er sich niedrig. Doch wie lange? Jens Müller, Direktor des Bereichs Anschlussfinanzierung der Hüttig & Rompf AG, ordnet die derzeitige Lage ein – und erklärt, warum die Zinsentwicklung im Moment alles andere als normal ist.

Eigentlich könnte alles so schön vorhersehbar sein. Der deutschen Wirtschaft geht es schon länger richtig gut, die Inflationsrate in der EU nähert sich der Zielmarke von 2,0 Prozent und auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat Mitte Juni das Ende der ultralockeren Geldpolitik eingeleitet. Beste Voraussetzungen für einen steigenden Bauzins. Doch dessen Wert bewegt sich kaum nach oben.

Politische Unsicherheiten halten Bauzins niedrig

„Das ist alles andere als normal“, verrät Jens Müller. „Schon die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, das Anleihekaufprogramm zu beenden, hätte den Bauzins steigen lassen müssen.“ Allerdings gebe es einfach immer noch zu viele Störfeuer, Eventualitäten und Unsicherheiten durch die Politik. Bestes Beispiel: Kurz nach Mario Draghis Ankündigung eskalierte der Asylstreit zwischen CDU und CSU. „Das wurde von den Finanzmärkten negativ aufgenommen. Der Anleihemarkt sank wieder“, so Jens Müller. Durch solche Unsicherheiten kann sich der Experte für Anschlussfinanzierungen keine kurzfristigen Zinssteigerungen vorstellen. Heißt aber auch: Kredite für Immobilienkäufer und Bauherren bleiben erstmal günstig.

Der Bauzins steigt, wären da nicht...

Anders als bei der kurzfristigen Zinsentwicklung sieht Jens Müller durchaus Potenzial für mittel- und langfristige Steigerungen. Denn der Trend zu höheren Zinsen sei nach wie vor da. Die USA hat bereits weitere Leitzinserhöhungen für dieses Jahr angekündigt. Die Wirtschaft wächst dort stabil. „Also werden Investoren mehr US-Anleihen und weniger deutsche Staatsanleihen nachfragen“, vermutet Jens Müller. „Normalerweise müssten dadurch bei uns die Zinsen zum Jahresende steigen.“ Doch was ist derzeit schon normal? Gleich drei große politische Unruheherde könnten das Steigen der Bauzinsen abschwächen: Donald Trumps Handelskrieg, Italiens neue Regierung und der Brexit. Alle drei hätten einen wichtigen Einfluss auf die wirtschaftlichen Entwicklungen der nächsten Monate – und somit auch auf die Zinsmärkte. „Aber egal, wie viel Einfluss diese politischen Ereignisse auch haben, eins ist für mich sicher: Mittelfristig wird der Bauzins steigen. Irgendwann geht es doch fast immer zurück zur Normalität, oder?“

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