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Zahl der Bauge­neh­mi­gungen – gut, aber nicht gut genug

2020 sind in Deutschland so viele Neubauten genehmigt worden, wie seit 2016 nicht mehr – trotz Corona-Pandemie. Insbesondere in angespannten Wohnungsmärkten ist das aber immer noch nicht genug. Zudem flacht die Dynamik zusehends ab. Branchenvertreter fordern daher die Politik auf, Rahmenbedingungen für einen dauerhaften und stärkeren Schub bei den Baugenehmigungen zu schaffen. Hier lesen Sie die Einzelheiten.

Wichtiger Indikator 
Baugenehmigungen sind ein wichtiger Indikator für den Neubau im Kampf gegen die Wohnungsnot in vielen Städten. Nicht alle genehmigten Wohnungen werden jedoch gebaut, etwa weil Handwerker und Baufirmen im Immobilienboom überlastet sind. Daher übersteigt die Zahl der Baugenehmigungen bei Weitem die der fertigen Gebäude. 

 

Auf den ersten Blick stimmen die Zahlen 
Im Jahr 2020 wurden laut Statistischem Bundesamt in neu zu errichtenden Wohngebäuden rund 320.200 Wohnungen genehmigt – 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gefragt waren Zweifamilienhäuser, wo es sprunghafte Zuwächse bei den Bewilligungen gab (plus 20,5 Prozent). Die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser wuchsen um 2,4 Prozent, die für Mehrfamilienhäuser nur um 0,4 Prozent. 

 

Dynamik verliert an Schwung 
„Der Trend stimmt, aber die Dynamik flacht zu sehr ab“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. So habe der Anstieg der Baugenehmigungen 2019 noch bei vier Prozent gelegen. „Um das bezahlbare Wohnen in Deutschland wirklich voranzubringen, ist ein stärkerer und dauerhafter Schub bei den Baugenehmigungen notwendig.“ 

Dem stimmt Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, zu: „Der Anstieg der Baugenehmigungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir gerade in Ballungsgebieten weit entfernt sind vom Neubaubedarf. Baugenehmigungen müssen vor allem dort schnell erteilt werden, wo bezahlbarer Wohnraum dringend gebraucht wird, und das sind die Metropolen.“ 

 

ZIA fordert Regulierungsmoratorium 
„Aus Sicht des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, ist die Stagnation der Baugenehmigungen und vor allem der Rückgang an genehmigten Mehrfamilienhäusern in den A-Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Stuttgart eine schwere Hypothek, um die angespannten Wohnungsmärkte in den Metropolen zu entlasten."

„Wir brauchen ein Regulierungsmoratorium. Nach einer Legislaturperiode, die durch neue Regulierungen geprägt war, sieht man nun, dass das Problem nicht gelöst, sondern verschärft wurde,“ so ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner. „Das Baulandmobilisierungsgesetz ist die nächste Bremse, die nun angelegt wird. Sinnvoller wäre die Umsetzung des Planungsbeschleunigungsgesetztes und eine Überprüfung der 20.000 Bauvorschriften. Bauen muss schneller, einfacher und damit attraktiver sein, nur dann werden auch mehr Wohnungen gebaut.“ 

Mattner fordert für die kommende Legislaturperiode einen Neustart der Baupolitik. „Ein echtes Bündnis aus Politik, Immobilienwirtschaft und Mietervertretern mit der klaren Zielsetzung, mehr Wohnraum zu schaffen wäre der richtige Weg. Aus dem derzeit vorherrschenden Klima des Gegeneinanders muss ein Klima des Miteinanders werden. Wir stehen für einen Neuanfang bereit!“ 

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