| Baufinanzierung , Immobilienkauf , Förderungen | Philipp Burk

Baukin­dergeld: „Bürok­ra­tie­monster“ oder Erfolgs­ge­schichte?

In der Politik schieden sich am Baukindergeld die Geister. Bei Familien jedoch kam das Förderinstrument gut an. Mit dem heutigen Tag endet die Möglichkeit, das Baukindergeld zu erhalten. Zeit für ein erstes Resümee!

Als die Bundesregierung das Baukindergeld 2018 auf den Weg brachte, mangelte es nicht an Kritik. Vor allem von Seiten der FDP, die das Baukindergeld als „Bürokratiemonster“ bezeichnete und stattdessen Steuersenkungen vorschlug. Doch auch Sozialverbände kritisierten, dass das Fördermittel in erster Linie die gut verdienende Mittelschicht begünstige. Konkret gab es 12.000 Euro pro Kind, wenn das jährliche Haushaltseinkommen bei einem Kind unter 90.000 Euro lag. Ausgezahlt wurde das Geld an die Familien von der KfW im Auftrag des Bundesinnenministeriums. 

Wie Alia Begisheva dem MDR sagte, wurde das Angebot gut angenommen. So hätten zwei Drittel der Familien, die einen Antrag stellten, Kinder bis sechs Jahre. 75 Prozent aller Familien, die einen Antrag stellten, verfügten dabei über ein Einkommen von weniger als 50.000 Euro. So sei das Baukindergeld genau bei denen angekommen, für die es gedacht gewesen sei – die Familien der Mittelschicht, die bisher noch keinen Vermögensaufbau in Form von Immobilien betreiben konnten. Insgesamt, so Begisheva, hätten bisher knapp 330.000 Familien das Baukindergeld erhalten. 

Auffällig ist, dass mit dem Baukindergeld auch die Neubauquote stieg. Zwar hätten die meisten Familien eine Bestandsimmobilie gekauft, doch die Neubauquote sei, wie Zahlen der KfW zeigten, seit 2018 kontinuierlich gewachsen. Lag sie 2018 bei 13 Prozent, sind es aktuell 34 Prozent. Schon Anfang des Jahres meldete sich deshalb der niedersächsische Bauminister Olaf Lies zu Wort, der eine  Verlängerung der Förderung oder gar ein dauerhaftes Angebot forderte. Schließlich profitierten auch das Bauhandwerk und somit die gesamte Konjunktur vom Baukindergeld. 

Doch Finanzminister Olaf Scholz blieb, auch angesichts der pandemiebedingten Haushaltsengpässe, zurückhaltend. So endet mit dem heutigen Datum die Möglichkeit für den Kauf einer neuen Immobilie vom Baukindergeld zu profitieren. Zwar kann die Förderung bis 2023 rückwirkend beantragt werden, der Kaufvertrag jedoch muss bis einschließlich heute abgeschlossen sein. Für diese Nachzügler sind noch knapp 30 Prozent des bereit gestellten Geldes, insgesamt zehn Milliarden Euro, übrig. 

War es also eine Erfolgsgeschichte? Scheint so. Denn nach unserer Erfahrung war es erst das Baukindergeld, das vielen Familien den Weg ins Eigenheim ebnete. Zudem profitierten, wie erste Zahlen zeigen, vor allem ländliche Regionen, die mit Strukturwandel und Abwanderung zu kämpfen haben. Bleibt zu hoffen, dass auch die nächste Regierung Projekte wie diese anstößt, um Familien die Chance auf eine eigene Immobilie zu ermöglichen. 

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